Film | Baukunst 9

Baukunst 9


Regie: Richard Copans, Julien Donada, Juliette Garcias, Stan Neumann

Die beliebteste und beste Architektur Reihe auf DVD präsentiert und analysiert auch in der neunten Ausgabe der Reihe BAUKUNST herausragende Bauwerke aus allen Jahrhunderten der Architekturgeschichte – vom Fundament bis zum First. Leidenschaftliche Porträts der Architekten und ihre visionären Konzepte wecken Begeisterung für die beeindruckende Welt der Architektur rund um den Globus.

Sechs weitere Bauwerke, sechs große Architekten, zahlreiche Pläne und 3D-Animationen: Mit DAS GLASSCHIFF VON FRANK GEHRY, ein neues Kunstmuseum am Rande des Pariser Bois de Boulogne; DAS HAUS DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI FRANKREICHS, Oscar Niemeyers außergewöhnlicher Bau ist Ausdruck der Architektur der 1970er Jahre; DIE KUNSTSCHULE VON GLASGOW, eine einzigartige Verbindung von konstruktiver Rationalität , Subjektivismus, Jugendstil, Detailbesessenheit und dekorativer Fantasie; DAS HAUS UNAL, ein Haus ohne jeden rechten Winkel; DAS ITIMAD-UD-DAULA, ein Schmuckstück von einem Mausoleum, weißer Marmor mit Intarsien aus Edelsteinen; DIE VAN NELLE FABRIK IN ROTTERDAM, zwischen 1926 und 1931 gebaut an der Schnittstelle von Bauhaus und Taylorismus.

Die Folgen:

Das Glasschiff von Frank Gehry
Ein Film von Richard Copans
2006 gab Bernard Arnault dem Architekten Frank Gehry den Auftrag, ein Gebäude für die Stiftung Louis Vuitton zu errichten, um sich sein eigenes Denkmal als Mäzen und Kunstförderer zu setzen.
Keine vertikalen Linien, keine einheitliche Fassade, keine Wiederholungen: Im Namen der Fondation Louis Vuitton errichtete der berühmte kanadisch-US-amerikanische Architekt Frank Gehry zwischen 2006 und 2014 am Rande des Pariser Bois de Boulogne ein Bauwerk ohnegleichen: ein Glasschiff, das die Illusion von Bewegung vermittelt und getrieben vom Westwind nach Paris zu segeln scheint.
Das beeindruckende, die Baumwipfel überragende Gebäude besteht aus einer Ansammlung von 19 weißen, organischen Blöcken. Jeder einzelne ist eine abstrakte Komposition mit zahlreichen Facetten und gekrümmten oder abgeschrägten Oberflächen; bedeckt mit Platten aus Ductal, einem weißen Faserbeton. Darüber liegen, in Anlehnung an das Glasdach des Pariser Grand Palais, weitläufig angeordnete Glasflächen. Jede Fläche, jeder Block hat eine individuelle Form und Größe, etwa wie ein dreidimensionales Puzzle, das den Eindruck eines “Erdbebenmusters” verleiht. Durch die überlappende Anordnung entstehen für den Besucher zugängliche Freiräume und Durchgänge.
Das Museum besteht aus einem großen Auditorium und elf Galerien, in denen zeitgenössische Kunst einen Ausstellungsort findet. Sechs der Galerien werden dank spezieller Lichtröhren mit Tageslicht beleuchtet. Durch die präzise Verwendung vieler einzigartiger Elemente aus Glas und Beton vereint das Gebäude industrielle Herstellung und Handwerkskunst sowie auch die Luxusindustrie, deren jüngstes Aushängeschild dieser bemerkenswerte Komplex ist.
Seine von den Glassegeln geschützten Terrassen laden auf einen architektonischen Spaziergang ein und eröffnen eine wunderbare Sicht auf die französische Hauptstadt.

Das Haus der Kommunistischen Partei Frankreichs
Ein Film von Richard Copans
Das Haus der Kommunistischen Partei Frankreichs wurde von dem brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer zwischen 1965 und 1980 errichtet.
Eine sanft gewellte Glasfassade, eine weiße Kuppel: Das am Fuße des Parks Buttes-Chaumont gelegene Haus der Kommunistischen Partei Frankreichs im Nordosten von Paris verkörpert die architektonische Umsetzung einer politischen Ideologie und gilt als Meilenstein moderner Architektur.
Der von dem Brasilianer Oscar Niemeyer zwischen 1965 und 1980 errichtete Bau befindet sich an einem Ort von hoher architektonischer und politischer Relevanz, befanden sich hier doch einst das Haus der Gewerkschaften, die Arbeiteruniversität sowie der Pavillon des sowjetischen Konstruktivisten Konstantin Melnikow während der internationalen Kunstgewerbeausstellung im Jahr 1925.
Da die Kommunistische Partei Frankreichs im Laufe der Jahre viele Wähler einbüßen müsste, teilt sie sich die Büros mittlerweile mit einer E-Commerce-Firma. Dennoch bleibt der Komplex bis heute eines der schönsten Zeitzeugnisse moderner Architektur der 60er Jahre. Was damals als Symbol für den Aufstieg der Kommunistischen Partei Frankreichs galt, dient heute häufig als Kulisse für Kinofilme, Werbeclips und Modenschauen.

Die Kunstschule von Glasgow
Ein Film von Juliette Garcias
Die Kunstschule von Glasgow wurde zwischen 1897 und 1907 vom Architekten Charles Rennie Mackintosh erbaut.
Die zwischen 1897 und 1909 errichtete Kunstschule von Glasgow gilt als wichtigstes Werk des britischen Architekten, Malers und Designers Charles Rennie Mackintosh, einem Wegbereiter der Moderne. Trotz genauster Vorgaben der Geldgeber bezüglich der Größe des Bauwerks, der Flure und Fenster gelang es dem Architekten mit seiner obsessiven Liebe zum Detail und seiner Vorliebe für Brüche, dem Gebäude einen einzigartig modernen Charakter zu verleihen. Er nutzte seine Spielräume und schuf ein Werk, das verschiedenste Architekturstile unter einem Dach vereint und konstruktive Funktionalität mit dem Subjektivismus des Art nouveau verbindet. So brach er beispielsweise die Fassade des fabrikähnlichen Gebäudes auf, indem er in die Mitte eine Villa setzte. Auch die asymmetrische Anordnung des Eingangsbereichs und der Fenster lockern das Erscheinungsbild der Hochschule auf. Die seitlichen Fassaden ähneln auf der einen Seite einer mittelalterlichen Burg, auf der anderen Seite dominieren moderne geometrische Glasfronten.
Das Innere der Schule folgt einem rein funktionalen Schema. In drei übereinanderliegenden Etagen befinden sich Ateliers mit großen Glasfronten. Bibliothek, Verwaltungsräume und Treppenhäuser sind an die Rückseite des Riegels ausgelagert. In den Ateliers verzichtete Mackintosh bewusst auf dekorative, raumgebende Elemente, um den Künstlern ihre Freiheit zu lassen.
Nachdem die Schule jahrelang wenig Beachtung fand, wurde sie zur Pilgerstätte für Generationen von Architekten. Sie hatte prägenden Einfluss auf die Architektur des frühen 20. Jahrhunderts – und das, obwohl Mackintosh während der gesamten Bauzeit keinen Fuß auf die Baustelle setzte.

Das Haus Unal
Ein Film von Julien Donada
Das Haus Unal wurde von Claude Häusermann-Costy entworfen und zwischen 1972 und 2008 von Joël Unal erbaut.
Fernab der üblichen Katalogangebote verwirklichte sich das Ehepaar Unal seinen Traum von einem eigenen Haus in der Natur, weit entfernt vom hektischen modernen Leben. Die Besonderheit: Das von Claude Häusermann-Costy entworfene und zwischen 1972 und 2008 von Joël Unal erbaute Eigenheim ist ein Kugelhaus, gänzlich frei von geraden Linien.
Es wird der Architekturströmung des Skulpturalen Bauens zugeordnet, welche Bauten umfasst, die Kunst und Architektur in sich vereinen.
Für das aus mehreren Kugeln bestehende Ensemble wurde ein und dieselbe Bauweise verwendet, bei der Beton ohne Schalung von Hand auf ein Metallstützwerk aufgetragen wird. Die Kugel ist die stabilste und energetisch günstigste Form. Abgesehen von ihrer besonderen Ästhetik, erweist sich die Kugel auch als eine äußerst effiziente wirtschaftliche Konstruktion.
Joël Unal erbaute sein Haus über einen Zeitraum von 36 Jahren hinweg und orientierte sich dabei zwar an den Plänen der Architektin, passte diese aber bisweilen gemäß seiner eigenen Vorstellungen und Bedürfnisse an. Frei gestaltete Formen sind heutzutage geradezu das Symbol eines monumentalen, von Computersoftware entwickelten Baustils geworden. Doch was für große Museen oder Sportanlagen gang und gäbe ist, ist für kleinere Bauten eher ungewöhnlich. Das Haus der Unals ist daher ein außergewöhnliches Beispiel kleinerer skulpturaler Bauten. Seine sanften Formen und ineinanderfließenden Räume lassen es wie eine Hommage an die organische Architektur Antoni Gaudís wirken.

Das Mausoleum „Itimad ud-Daula“
Ein Film von Richard Copans
Das Mausoleum „Itimad ud-Daula“ im nordindischen Agra wurde zwischen 1622 und 1628 im Auftrag von Nur Jahan, der Gattin des Mogulherrschers Jahangir, für ihren Vater errichtet.
Das Mausoleum „Itimad ud-Daula“ im nordindischen Agra markiert einen Wendepunkt in der Mogul-Architektur. Sein von geometrischen Edelsteinverzierungen durchzogener Marmor und die lichtdurchfluteten Jalis ergänzen sich zu schönster Harmonie und bieten ein friedliches Nebeneinander von Einflüssen aus Persien, Europa, Indien und China. Das Mausoleum wurde zwischen 1622 und 1628 im Auftrag von Nur Jahan, der Gattin des Mogulherrschers Jahangir, für ihren Vater errichtet. Das monumentale, quadratische Grabmal aus weißem Marmor liegt inmitten einer viereckigen Gartenanlage am Fluss Yamuna und war ursprünglich als Ort der Besinnung für Familie und Freunde gedacht.
Während die Pavillons der äußeren Mauer rot sind, besteht das Mausoleum aus weißem Marmor. Dies stellte einen Bruch mit der Tradition dar, denn weißer Marmor war bis dahin den Gräbern der Heiligen vorbehalten gewesen. Die Achsen der vier Pavillons entlang der Gartenmauer schneiden sich in der Mitte des Mausoleums und erzeugen somit eine doppelte Symmetrieachse – im Mogulreich ein Symbol für Kraft, durch die Gleichgewicht und Harmonie entstehen.
Der weiße Marmor, mit dem das massive Ziegelsteinmonument verkleidet ist, ist auf allen Außenseiten mit Halbedelsteinen verziert. Sterne, Dreiecke, Trapeze und Sechsecke sind mit der „parchiri kiri“ – Technik in den Marmor eingelassen und lassen die große Fassade wie ein großes Puzzle wirken. Ebenso faszinierend sind die 16 Jalis – steinerne, geometrische Fensterstrukturen, die die Wände des Mausoleums in sanft gemustertes Sonnenlicht hüllen. Außergewöhnliche sind auch die zwei Grabkammern des Mausoleums, eine im Innern und eine zweite, lichtdurchflutete Ausführung der selbigen auf der Terrasse direkt darüber. Die Errichtung eines Bauwerks über einem bestatteten Leichnam war schon damals kontrovers und beschäftigte die gesamte islamische Welt. Die dekorativen Malereien im Innern des Gebäudes bilden Themen aus Persien, China und sogar Europa ab und gelten als Beweis für die Toleranz, die Mogul Jahangir gegenüber allen Religionen walten ließ.

Die Van-Nelle-Fabrik in Rotterdam
Ein Film von Stan Neumann
In Schiedam, einem Vorort von Rotterdam, steht die Van-Nelle-Fabrik, gebaut zwischen 1926 und 1931 nach Plänen der Architekten Jan Brinkman und Leendert van der Vlugt.
Van Nelle, eine holländische Tabak-, Kaffee- und Teefabrik, die bereits seit über 100 Jahren besteht, expandiert Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Fabrik im alten Leuvehafen wird den Bedürfnissen des Unternehmens nicht mehr gerecht. Doch die innerstädtische Lage lässt keine Vergrößerung zu.
1924 wird daher der Bau einer neuen Fabrik beschlossen, außerhalb der Stadt, wo noch viel Platz ist. Der neue Standort liegt an einem großen Kanal, was den Effekt noch verstärkt, dass die Stirnseite und Hauptfassade der Fabrik an den Bug eines großen Schiffes erinnern.
In diesem riesigen Gebäudekomplex wurden bis in die 80er Jahre Tabak, Kaffee und Tee verarbeitet. Entsprechend der verschiedenen Produkte sind die Gebäude unterschiedlich hoch. Für den Tabak, dessen Verarbeitung am kompliziertesten ist, stehen acht Stockwerke zur Verfügung, für den Kaffee sechs und für den Tee nur drei. Die Produkte werden nach modernsten, aus den USA übernommenen Methoden verarbeitet. Der gesamte Raum ist so eingeteilt, dass mehr und schneller produziert werden kann. Alle Wege haben die Form einer Geraden – die Form der größtmöglichen Effektivität.
Die Van-Nelle-Fabrik verband also wirtschaftliche Prinzipien des Taylorismus mit architektonischen Visionen des Bauhauses. Beim Bau war das heutige Industriedenkmal in vieler Hinsicht seiner Zeit weit voraus. Eine Innovation, die den Entwurf der Fabrik mit ihren vollverglasten Fassaden beeinflusst hat, ist das Prinzip der sogenannten Daylight Factory, bei dem das Tageslicht bestmöglich genutzt wird. Diese Transparenz verleiht dem Gebäude trotz seiner gewaltigen Dimensionen Leichtigkeit und Eleganz.

Inhaltsübersicht

Das Glasschiff von Frank Gehry
Das Haus der kommunistischen Partei Frankreichs
Die Kunstschule von Glasgow
Das Haus Unal
Das Itimad-du-Daula
Die Van Nelle Fabrik in Rotterdam

Credits
Regie: Richard Copans, Julien Donada, Juliette Garcias, Stan Neumann

Produktionsland: F
Produktionsjahr: 2013/4
Pressestimmen

»Die ambitioniertesten architektonischen Bauwerke der Vergangenheit und Gegenwart werden mit seltenem Archivmaterial, Modellen und im Gespräch mit den größten Architekten unserer Zeit dargestellt.« Detail.de

»Eine schöne Idee: Seit 1995 drehen Richard Copans und Stan Neumann halbstündige Filme über wegweisende Bauwerke – beginnend mit dem Privathaus des holländischen Architekten Rem Koolhaas.« Saarbrücker Zeitung

»Ruhige, nie Effekt haschende Bilder gehen eine sinnvolle Allianz ein mit unaufdringlich platzierten 3D-Animationen. Der maßvolle Wortanteil lässt Luft für assoziative Freiräume. Eine sehr schöne Art durch aufregende Architektur geführt zu werden.« detail.de

DVD
lieferbar
€ 14,90


Best. Nr.: 494
ISBN: 978-3-89848-494-7
EAN: 978-3-89848-494-7
FSK: Infoprogramm

Länge: 156
Bild: PAL, Farbe, 16:9
Ton: Dolby Digital
Sprache: Deutsche Fassung, Englische Fassung, Französische Fassung

Label: ARTE Edition
Edition: ARTE EDITION
Reihe: Baukunst, Architektur
Rubrik: Dokument
Genre: TV-Reihe


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