Film | Baukunst 8

Baukunst 8

Regie: Richard Copans, Juliette Garcias, Stan Neumann

Sechs architektonische Meisterwerke der Vergangenheit und der Gegenwart:

Das Centre National de la Danse (CND), ein in den 60er-Jahren im Stil des »Brutalismus« erbautes Verwaltungsgebäude im Pariser Vorort Pantin, dient seit seinem preisgekrönten Umbau 2004 dem staatlichen französischen Tanzzentrum als Heimat.

Die Zitadelle von Lille (Bauzeit 1667 bis 1673) wurde von Ludwig XIV. in Auftrag gegeben und war die erste Militäranlage dieser Art. Ihr Architekt Sébastien le Prestre de Vauban bezeichnete sie als die »Königin der Zitadellen«. Sie diente vielen Zitadellen als Vorbild.

Im Auftrag des Schweizer Designermöbelunternehmens Vitra schuf das Baseler Architekturbüro Herzog & de Meuron ein spektakuläres Bauobjekt, das vielseitig nutzbar ist. Das VitraHaus in Weil am Rhein wirkt von außen wie ein gewagter Häuserstapel und bietet von innen vielfältige Ausblicke.

Der Kölner Dom, begonnen 1248, fertiggestellt 1880, gilt als Meisterwerk gotischer Architektur. Wegen des Umfangs und der Qualität der Arbeiten wurde der Dom zu einem Kristallisationspunkt dieses Architekturstils. Noch bei seiner Vollendung im 19. Jahrhundert war der Dom das größte Gebäude der Welt. 1996 wurde der Kölner Dom in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

Das Kultur- und Freizeitzentrum SESC Pompeia, auch Fábrica de Pompéia genannt, gehört zu den berühmtesten Bauten in São Paulo. Die ehemalige Tonnenfabrik wurde in den 1980er Jahren von der aus Italien stammenden Architektin Lina Bo Bardi (1914‒1992) in ein Kultur- und Freizeitzentrum umgewandelt.

Das Rolex Learning Center am Ufer des Genfer Sees wurde von den japanischen Architekten Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa errichtet. Die Welle aus Glas und Beton lässt verschiedenste Assoziationen zu und verrät nicht sofort ihren Zweck: Das Gebäude beherbergt die Bibliothek der École Polytechnique Fédérale de Lausanne.

Baukunst 8
Centre National de la Danse (CND), Paris
Die Zitadelle von Lille
Das Vitra Haus
Der Kölner Dom
Kultur- und Freizeitzentrum SESC Pompeia, São Paulo
Das Rolex Learning Center

CENTRE NATIONAL DE LA DANSE
Ein Film von Juliette Garcias
Anfang der 1970er Jahre strandete am Ufer des „Canal de l’Ourcq“, im „roten Gürtel“ nordöstlich von Paris, ein gigantisches Schiff aus Rohbeton: das Verwaltungszentrum Pantin.
Jacques Kalisz, damals noch Architekturstudent, gehörte einem sozial engagierten Stadtplanungsarbeitskreis an, den einige kommunistisch regierte Kommunen um Paris ins Leben gerufen hatten. Ihn beauftragte der Bürgermeister von Pantin mit dem Bau eines Komplexes, der sämtliche kommunalen Einrichtungen (Gericht, Sozialversicherung, Polizeirevier, Finanzamt, Gewerkschaftshaus, Arbeitsamt, Leichenschauhaus, Hundezwinger usw.) unter einem Dach vereinen sollte – ein damals völlig neuartiges Konzept.
20 Jahre später stand das Verwaltungszentrum leer. Was als utopisches Flaggschiff gedacht war, wurde zum Symbol des Niedergangs einer Gesellschaftsutopie. Da der Abriss jedoch zu kostspielig gewesen wäre, wurde beschlossen, es zu rehabilitieren.
2004 wurde das Gebäude saniert und einem neuen Verwendungszweck zugeführt. Anstelle der Angestellten und ihrer Büros zogen Tanzcompanien und Ballettstudios ein. Das neu entstandene „Centre National de la Danse“ war das erste große Projekt der beiden jungen Architektinnen Antoinette Robain und Claire Guieysse, die dafür mit dem französischen Architekturpreis „Prix de l‘Equerre d’Argent“ ausgezeichnet wurden.

DIE ZITADELLE VON LILLE
Die Zitadelle von Lille wurde im 17. Jahrhundert von Sébastien le Prestre de Vauban im Auftrag von König Ludwig XIV. errichtet und diente als Vorbild zahlreicher Militäranlagen .
Die Zitadelle von Lille wird vom französischen König Ludwig XIV. in Auftrag gegeben und in den Jahren 1667 bis 1673 erbaut. Ihr Architekt Sébastien le Prestre de Vauban bezeichnet sie als die “Königin der Zitadellen”. Sie ist die erste Militäranlage dieser Art und dient vielen anderen, die nahe der Grenzen Frankreichs errichtet werden, als Vorbild.
Der Ingenieur und bedeutendste Militärarchitekt seiner Zeit entwirft die Zitadelle als Antwort auf die Entwicklung der damaligen Kriegsführung. Le Prestre de Vaubans Genie besteht darin, keinen Aspekt außer Acht zu lassen und alle Gegebenheiten und Probleme in die Konzeption einzubeziehen: Ballistik, Exposition, Versorgung, Organisation des Garnisonslebens, landschaftliche und geografische Gegebenheiten. Vauban war mehr als ein Militärarchitekt, er machte Land Art, bevor es den Namen gab, und seine geometrisch angelegten Festungen prägen die Landschaft.
Heute sind diese Bauten zwar lediglich Denkmäler ohne strategische Funktion, dennoch sind sie aufgrund ihrer stringenten Konzeption und formalen Schlichtheit eine Inspirationsquelle für Architekten. Zum Beispiel für Jean Nouvel, der diese Festungsanlagen für “der Fantasie unserer besten Filmregisseure würdig” hält.

DAS VITRAHAUS
ARCHITEKTE: Jacques HERZOG & Pierre de MEURON
Baujahr: Zwischen 2005 und 2010
Von außen wirkt es wie ein gewagter Häuserstapel und von innen bietet es vielfältige Ausblicke in die Landschaft um Weil am Rhein. Das Baseler Architekturbüro Herzog & de Meuron schuf im Auftrag des Schweizer Designermöbelunternehmens Vitra ein spektakuläres Objekt, das vielseitig nutzbar ist.
Im Jahr 2006 beauftragte das Schweizer Designermöbelunternehmen Vitra das Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron mit dem Bau eines Ausstellungsgebäudes auf seinem Vitra Campus in Weil am Rhein, auf einem Gelände, das bereits Bauten von Stararchitekten wie Frank Gehry beherbergt. Vier Jahre später eröffnet das VitraHaus und wird seitdem vielseitig als Showroom, Museum, Shop und Café genutzt.
Das baukünstlerische Konzept von Herzog & de Meuron beruht auf den beiden Elementen “Urhaus” und “Stapelung von Räumen”. Die von ihnen entworfenen zwölf Satteldachhäuser sind so aufeinander aufgebaut und ineinander verschachtelt, dass ganz überraschende Innen- und Außenperspektiven entstehen. Tagsüber eröffnet dieses “Haus aus Häusern” dem Besucher vielfältige Ausblicke auf die Landschaft, nachts wirken die voll verglasten Giebelseiten wie hell erleuchtete “Schaufenster”. Ein Haus, das sowohl zum Verweilen als auch zum Staunen einlädt.

DER KÖLNER DOM
Der Kölner Dom – eigentlich die Hohe Domkirche St. Petrus – wurde zwischen 1248 und 1880 in Köln erbaut. Mit seinen über 157 Metern ist er nach dem Ulmer Münster das zweithöchste Kirchengebäude Europas sowie das drittgrößte der Welt. Alles begann mit den Heiligen Drei Königen: Caspar, Melchior und Balthasar reisten – geleitet vom Stern der Weisen – nach Bethlehem, um dem Jesuskind zu huldigen. Seit 1164 befinden sich ihre Gebeine im Besitz der Stadt Köln. Der mit kostbaren Edelsteinen besetzte goldene Dreikönigsschrein war das berühmteste Reliquiar des christlichen Abendlandes und lockte Pilger aus ganz Europa an den Rhein. Um dem Ansturm gewachsen zu sein, beschlossen die Kölner Domherren 1248, eine neue Kathedrale errichten zu lassen. Mit der Planung wurde der Dombaumeister Gerhard von Rile, von dem heute kaum etwas bekannt ist, beauftragt. Der Bau des Kölner Doms wurde erst 1880 vollendet. Zwischen den beiden Bauperioden lag eine mehr als 300-jährige Pause. Anhand typischer Attribute wie Spitz- und Strebebögen erläutert der Film die Architektur des gotischen Baustils und auch den Einsatz von Metall in der jüngeren Bauzeit. Denn tatsächlich ist der Kölner Dom, in früheren Zeiten Symbol der deutschen Einheit, sowohl ein Urbild der Gotik als auch ein Gebäude des 19. Jahrhunderts.

Kultur- und Freizeitzentrum SESC POMPEIA, São Paulo
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand im brasilianischen São Paolo, im Stadtviertel Palmeiras, eine Fabrik mit zahlreichen Werkstätten. In den 1980er-Jahren baute die Architektin Lina Bo dieses Meisterwerk der „Architettura Povera“, dessen bizarre Betonblöcke im lebhaften Kontrast zur Stadt mit ihren modernen Hochhäusern stehen, zu einem Kultur- und Freizeitzentrum um. Zielgruppe des SECS Pompéia sind Angestellte der Handelsbranche, aber das Zentrum steht allen offen. Die ehemalige „Fábrica da Poméia“, von Lina Bo Bardi symbolträchtig als „Freizeitzitadelle“ bezeichnet, bietet eine echte Alternative zu den Angeboten der Metropole.

Das ROLEX LEARNING CENTER
Das Rolex Learning Center am Ufer des Genfer Sees wurde von zwei japanischen Architekten errichtet: Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa. Ob eine Scheibe Schweizer Käse, ein Molekulargewebe oder ein fliegender Teppich – die Welle aus Glas und Beton lässt verschiedenste Assoziationen zu und verrät nicht sofort den Zweck des Baus. Er beherbergt die Bibliothek der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) – mit über 500.000 Bänden an Fachliteratur und rund 800 Arbeitsplätzen für Studenten.
Das Gebäude der beiden japanischen Architekten Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa steht am Genfer See. Der 2010 entstandene Bau – eine Welle aus Glas und Beton – lässt verschiedenste Assoziationen zu. Einige sehen in dem Gebäude eine Scheibe Emmentaler Käse, andere ein Molekulargewebe oder einen fliegenden Teppich. Die Fassade lässt auf den ersten Blick nicht auf die Nutzung des Gebäudes schließen. Es handelt sich um ein Learning Center, ein neues Konzept multifunktionaler Räume, die der Wissensvermittlung gewidmet sind.
In dem schwerelos wirkenden Gebäude mit einer Fläche von mehr als 20.000 Quadratmetern gibt es keine einzige Wand. Anstelle von Trennwänden haben sich die Architekten für eine künstliche Landschaft entschieden, in der sich sanft ansteigende Hügel und Täler abwechseln. Die Studenten spazieren nach Lust und Laune herum, wechseln von der Bibliothek ins Restaurant und von den Arbeitsräumen ins Amphitheater ohne dabei je durch eine Tür zu gehen.
Der Besucher wählt seinen eigenen Weg, lässt sich in diesen Räumen, deren Funktion er selbst anpassen oder festlegen muss, von seiner Neugier leiten. Es ist ein einzigartiger Ort, ein architektonisches Meisterwerk, das die Vorstellung von Raum und dessen Aufteilung revolutioniert und dem Besucher eine bisher unbekannte, körperliche wie geistige Erfahrung bietet.

Inhaltsübersicht

Centre National de la Danse (CND), Paris
Die Zitadelle von Lille
Das Vitra Haus
Der Kölner Dom
Kultur- und Freizeitzentrum SESC Pompeia, São Paulo
Das Rolex Learning Center

Credits
Architekten: Jacques Kalisz, Sébastien Le Prestre de Vauban, Herzog & de Meuron, Kazuyo Sejima, Ryue Nishizawa
Regie: Richard Copans, Juliette Garcias, Stan Neumann

Produktionsland: F
Produktionsjahr: 2011-2012
Pressestimmen

»Ruhige, nie Effekt haschende Bilder gehen eine sinnvolle Allianz ein mit unaufdringlich platzierten 3D-Animationen. Der maßvolle Wortanteil lässt Luft für assoziative Freiräume. Eine sehr schöne Art durch aufregende Architektur geführt zu werden.« detail.de

»Die ambitioniertesten architektonischen Bauwerke der Vergangenheit und Gegenwart werden mit seltenem Archivmaterial, Modellen und im Gespräch mit den größten Architekten unserer Zeit dargestellt.« Detail.de

»Eine schöne Idee: Seit 1995 drehen Richard Copans und Stan Neumann halbstündige Filme über wegweisende Bauwerke – beginnend mit dem Privathaus des holländischen Architekten Rem Koolhaas.« Saarbrücker Zeitung

DVD
lieferbar
€ 5,00


Best. Nr.: 483
ISBN: 978-3-89848-483-1
EAN: 978-3-89848-483-1
FSK: Infoprogramm
Vertriebsgebiet: D, A, CH

Länge: 156
Bild: NTSC, Farbe, 16:9
Ton: Dolby Stereo
Sprache: Deutsch, Englisch, Französisch
Regionalcode: codefree

Label: absolut MEDIEN
Edition: ARTE EDITION
Reihe: Baukunst, Architektur
Rubrik: Dokument
Genre: TV-Reihe


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