Film | Stadt ohne Juden (1924)

Stadt ohne Juden (1924)

Regie: Hans Karl Breslauer

»Die Stadt ohne Juden« nannte Hugo Bettauer 1922 seinen Roman, der die damals noch utopische Vorstellung einer Vertreibung der Juden aus Wien beschreibt. Nur zwei Jahre später kam der Film in die Kinos. In der Verfilmung wurde der brisante Stoff abgeschwächt, konkrete realpolitische Bezüge vermieden: In der sagenhaften Republik Utopia, Adresse: Ballhausplatz in Wien, herrscht Unruhe. Die Arbeiter gehen auf die Straße, das Geld ist nichts mehr wert, Spekulanten treiben mit ihrer Habsucht die Inflation. In den Wirtshäusern kennen die Menschen schon die Lösung: Hinaus mit den Juden.

Die überspitzte politische Botschaft wurde verstanden. 14 Jahre nach der Filmpremiere wird DIE STADT OHNE JUDEN von der Wirklichkeit eingeholt. Der Film gilt heute weltweit als erstes explizites filmkünstlerisches Statement gegen den Antisemitismus. Mit der Wiederentdeckung der fehlenden Teile des Films in Frankreich wurde die Basis für eine umfassende Rekonstruktion und Restaurierung von DIE STADT OHNE JUDEN gelegt. Olga Neuwirth komponierte die neue Filmmusik, eingespielt vom Ensemble intercontemporain. Das Booklet enthält einen eigens verfassten Text von Elfriede Jelinek.

Ensemble intercontemporain
 
Martin Adámek, Klarinette
Vincent David *, Saxophon
Lucas Lipari-Mayer, Trompete
Jérôme Naulais, Posaune
Samuel Favre, Schlagzeug
Sébastien Vichard, Klavier
Pierre Bibault *, Elektrische Gitarre
John Stulz, Bratsche
Pierre Strauch, Violoncello
*Gastmusiker
 
Matthias Pintscher, Dirigent
Mehdi Lougraïda, Dirigent Assistent
 

Wien zu Beginn der 1920er Jahre, im Film als Republik ‚Utopia‘ bezeichnet. Durch Inflation und Arbeitslosigkeit ist die Bevölkerung verarmt. Angeführt von nationalistischen Politikern fordert sie die Ausweisung der Juden, die für die wirtschaftliche Misere verantwortlich gemacht werden. Vom Ausweisungsdekret betroffen ist auch ein junges Paar, der Jude Leo Strakosch und Lotte, das typisch süße Wiener Mädel. Nach einem kurzen wirtschaftlichen Aufschwung tritt eine erneute Rezession ein, weil ‚Utopia‘ von der ausländischen Wirtschaft boykottiert wird. Leo Strakosch kehrt inkognito zurück und agitiert mit nächtlichen Plakataktionen für die Rücknahme des Ausweisungsgesetzes. Seine Aktion hat Erfolg, eine erneute Abstimmung wird angesetzt. Leo schafft es, dass der Wortführer der Antisemiten, Rat Bernart (Hans Moser) nicht pünktlich zur Abstimmung erscheint, so dass die notwendige Mehrheit für die Rücknahme gesichert ist. Leo und Lotte sind nun endlich glücklich vereint, Bernart wird ein Fall für die Psychiatrie.

Der Film entstand nach dem zu seiner Zeit populären, satirischen Roman von Hugo Bettauer, der 1925 von einem Rechtsradikalen ermordet wurde. Zeitgeschichtlicher Hintergrund war die Massenimmigration osteuropäischer Juden während des Ersten Weltkriegs nach Wien, die den latenten Antisemitismus verschärfte. Der Film war lange Zeit nur in einer gekürzten Fassung zu sehen, in der die Sequenzen mit dem ungeschönten Antisemitismus in Wien fehlten. Hier die aktuelle Restaurierung mit neukomponierter Musik von Olga Neuwirth, eingespielt vom Ensemble Intercontemporain.

Biographie Hans Karl Breslauer (Regie)
Hans Karl Breslauer (1888 – 1965) kam als Schauspieler zum Film und begann als Drehbuchautor. Sein Debut als Filmregisseur gab er 1918 mit der Sascha-Film-Produktion ‘Ihre beste Rolle’. Ab 1921 war Breslauer für die Mondial-Film tätig, unter deren Dach er seine eigene Filmproduktionsgesellschaft, die H.K.B.-Film gründete. 1923 inszenierte er seinen erfolgreichsten Film, ‚Die Stadt ohne Juden‘. Anschließend wandte er sich mehr und mehr der Schriftstellerei zu und publizierte regelmäßig in Österreich und Deutschland. Breslauer trat 1940 in die NSDAP ein. Er starb 1965 in Salzburg.

Extras

Das ausführliche Booklet enthält u.a. einen eigens verfassten Text von Elfriede Jelinek.

Credits
Darsteller: Johannes Riemann, Karl Thema, Anny Milety, Eugen Neufeld, Hans Moser
Musik: Olga Neuwirth, eingespielt vom Ensemble Intercontemporain
Regie: Hans Karl Breslauer

Produktionsland: AT
Produktionsjahr: 1924
DVD
noch nicht lieferbar
€ 14,90


Best. Nr.: 3018
ISBN: 978-3-8488-3018-3
EAN: 978-3-8488-3018-3
FSK: Infoprogramm

Länge: 82
Bild: PAL, viragiert
Ton: Dolby Digital
Sprache: Deutsch
Regionalcode: codefree

Label: ARTE Edition
Edition: ARTE EDITION
Rubrik: Spielfilm
Genre: Historienfilm


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