Film | Baukunst 6 - 10

Baukunst 6 - 10

Regie: Richard Copans, Stan Neumann

Herausragende Bauwerke der Vergangenheit und die ambitioniertesten Architekturen der Gegenwart werden mit Hilfe von seltenem Archivmaterial, 3D Modellen, Animationen und im Gespräch mit Architekten unserer Zeit vorgestellt.

30 Meisterwerke in 30 Filmen: Die Moschee von Isfahan / Das SAS Royal Hotel / Die Schokoladenfabrik Menier / Die Djoser-Pyramide in Sakkara / Die Philharmonie Luxemburg / Der Bahnhof St Pancras in London / Der Deutsche Pavillon in Barcelona / Die Frauen-Universität in Seoul / Die Pariser Bibliothek Sainte-Geneviève / Die Kirche Notre-Dame du Raincy / Der Friedhof von Igualada / Das Barockschloss von Maisons-Laffitte / Das Centre National de la Danse (CND), Paris / Die Zitadelle von Lille / Das Vitra Haus / Der Kölner Dom / Kultur- und Freizeitzentrum SESC Pompeia, São Paulo / Das Rolex Learning Center/ Das Glasschiff von Frank Gehry / Das Haus der kommunistischen Partei Frankreichs / Die Kunstschule von Glasgow / Das Haus Unal / Das Itimad-du-Daula / Die Van Nelle Fabrik in Rotterdam / Das Gästehaus von Wa Shan / Der Flughafen Roissy 1 / Die Bibliothek von Exeter / Das Haus für alle von Rikuzentakata / Das Haus aus Eisen / Pariser Stadtpaläste: Hôtel de Soubise und Hôtel de Rohan.

“Baukunst“ ist eine Sendereihe, deren einzelne Folgen jeweils einem herausragenden Werk der Baukunst gewidmet sind. Ob Museum, Einkaufspassage, Opernhaus, Bahnhof oder Schule: unterschiedliche Konzepte, Epochen, Trends und Architekten werden monografisch vorgestellt. Woher rührt der hohe architektonische Wert dieser Bauwerke? Gibt es neben individuellen, kulturellen oder historischen Besonderheiten bestimmte Grundvoraussetzungen, deren Erfüllung die überdurchschnittliche Qualität eines architektonischen Projekts garantiert? Die einzelnen Dokumentationen stellen jedes der Bauwerke im Detail vor und geben ausgehend davon Einblicke in die Intentionen des Architekten, seine Ideen und Konzepte, seine individuelle architektonische „Handschrift“. Im Laufe der Sendereihe sollen so die verschiedenen Positionen der einzelnen Architekten verdeutlicht werden, um ähnliche Ansätze, Besonderheiten oder Gegensätze erkennbar zu machen und auf diese Weise den Facettenreichtum und die unterschiedlichen Problemstellungen des architektonischen Schaffens aufzuzeigen. Wandern Sie durch dieses Labyrinth von Themen, Theorien und Architekturkonzepten und entdecken Sie dabei nach und nach Werte und Ideen der Architektur.

Baukunst 6

Die königliche Moschee von Isfahan
Schah Abbas I. wählte Isfahan 1598 zur Hauptstadt und ließ im Rahmen umfangreicher Umbauten den Naghsch-e Dschahān („Entwurf der Welt“) anlegen, später Meidān-e Schāh („Königsplatz“) genannt. Das von doppelten Arkaden gesäumte Rechteck, bis heute einer der größten öffentlichen Plätze der Welt, wurde gleichermaßen als Marktplatz, Gerichtsort, Spielfeld und Festplatz geplant und ist von bedeutenden monumentalen Bauwerken umgeben. Gegenüber des Basars zieht im Süden die gewaltige Königsmoschee die Blicke auf sich, die Abbas zu Ehren Gottes errichten ließ. Ihre ausgefeilte Architektur und die enge Verbindung von Gebäude und Dekor lassen ihre Bedeutung erahnen.
Als Isfahan 1598 zur neuen Hauptstadt Persiens wurde, wurden im Iran bereits seit über 900 Jahren Moscheen gebaut. Die Araber hatten 637 in der Schlacht bei Nehawend die persische Armee vernichtend geschlagen. Der Islam hatte sich schnell durchgesetzt, aber es war noch nicht erkennbar, welcher architektonische Stil sich beim Bau von Moscheen behaupten würde.
Die Königsmoschee ist ein gigantischer Bau mit vier Minaretten, in deren Mitte sich ein weiter Innenhof mitsamt Becken erstreckt. Die vier monumentalen Iwane stehen für die vier Flüsse des Paradieses. In zwei Höfen sind die Koranschulen untergebracht, weitere Räume stehen für religiöse Waschungen zur Verfügung und als Sternwarte dient ein Turm.
Der Gebäudekomplex ist nach Mekka gerichtet. Die Himmelsrichtung wird durch eine Wand angezeigt, in die der sogenannte Mirhab, die Gebetsnische, eingelassen ist. Der reich mit bunten Mosaiken und Kalligraphien geschmückte Bau verkörpert den Paradiesgarten und das Wort Gottes.
Die beiden unter König Abbas gebauten Moscheen veranschaulichen die Komplexität dieser religiösen Bauwerke. Sie sind gleichzeitig Gebetsstätten, Gärten inmitten der Wüste und eine architektonische Umsetzung von Glaubenstexten. Die Moscheen verkörpern die Fülle islamischer Lebenskunst, demonstrieren die Macht des Königs und verewigen das Talent von Hunderten von Handwerkern und Künstlern.

DAS SAS ROYAL HOTEL, Kopenhagen
Das symbolträchtige Radisson SAS Royal Hotel in Kopenhagen ist ein Wahrzeichen der Moderne in Glas und Stahl. Es wurde von den Scandinavian Airlines in Auftrag gegeben. Der Entwurf und das Design stammen vom dänischen Nationalarchitekten Arne Jacobsen.
Das Fünfsternehotel Radisson SAS Royal wurde Ende der 50er Jahre von dem dänischen Architekten und Designer Arne Jacobsen im Auftrag der skandinavischen Fluggesellschaft SAS entworfen. Das Hochhaus im Herzen Kopenhagens, ebenso schlicht und elegant wie funktional, repräsentiert das Jet-Zeitalter und markiert den Eintritt Dänemarks in die Moderne nach dem Zweiten Weltkrieg.
Arne Jacobsen, der das Gebäude als Gesamtkunstwerk konzipierte, zeichnete nicht nur den Bau, sondern entwarf auch die gesamte Innenausstattung. Einige Modelle wurden später in Serie hergestellt und sind zu Designklassikern geworden.
Der dänische Architekt und Designer Arne Jacobsen (1901-1971) gilt als der bekannteste und wichtigste Architekt des Landes. Nach einem Studium der Architektur an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen arbeitete Jacobsen an verschiedenen Bauprojekten, gewann einen Architekturwettbewerb, musste dann aber – da jüdischer Herkunft – im Zweiten Weltkrieg vor den Nazis fliehen. In den 50er Jahren kehrte er als Professor an seine Hochschule zurück, war aber weiterhin auch international tätig.
Er war als Perfektionist bekannt und arbeitete sein Leben lang fast durchgehend. Jacobsens Architekturstil gehört zum modernen Funktionalismus, während sein Design eher organisch orientiert war. Das Radisson SAS Royal Hotel gilt als sein Meisterwerk.

DIE SCHOKOLADENFABRIK MENIER
Die Gebäude der Schokoladenfabrik Menier in Noisiel unweit von Paris wurden zwischen 1872 und 1906 von drei Architekten erbaut. Da Wasser die wichtigste Triebkraft der Industriellen Revolution war, verwundert es nicht, dass die Fabrik auf dem Gelände einer alten Mühle an der Marne entstand, erworben 1825 von einem der Schokoladenpioniere, dem Apotheker Jean Antoine Menier. Als hydraulische Fabrik war der radikale Neubau aus Ziegel und Eisen einer der innovativsten Industriebauten seiner Zeit.
Die im 15. Jahrhundert in Europa eingeführte Schokolade galt lange Zeit als Luxusprodukt und Arzneimittel, das nur von Apothekern hergestellt und verkauft wurde. Doch im 19. Jahrhundert wird sie dank der Erfindung der Tafelform und dem allgemeinen Geschmackswandel zum Artikel des täglichen Bedarfs. Die erhöhte Nachfrage führt bald auch zur Entstehung einer ganzen Industrie.
Die Schokoladenfabrik Menier in Noisiel unweit von Paris war zwischen 1872 und 1914 weltweit Marktführer. Vor allem jedoch spielte Menier eine architektonische Vorreiterrolle als eine die Moderne repräsentierende Fabrik aus Eisen, Stahl und Beton.
Die neue Mühle war einer der ersten Eisenskelettbauten der Welt. Sie barg ein komplexes hydraulisches System, das die Schokoladenproduktion in den drei Stockwerken der Fabrik antrieb. Außen bilden verschiedenfarbige Ziegelsteine den einzigen Schmuck: Sie ergeben geometrische Muster, welche die Eisenkonstruktion gestalterisch aufnehmen. Große verzierte Keramikmedaillons, auf deren Rand Kakaofrüchte abgebildet sind, ergänzen die schlichte Pracht. Erstmals steht die Architektur im Dienste eines Markenimage.
Die drei Hauptgebäude – die Saulnier-Mühle, die erste vollständig aus Metall bestehende Gebäudestruktur der Welt, die Eiffel-Halle und ein weiteres Gebäude, die kühle und monumentale „Kathedrale“, – sind bis heute stolze Zeugen des Goldenen Zeitalters industrieller Architektur im 19. Jahrhundert.

Die DJOSER-PYRAMIDE in Sakkara
Die älteste Pyramide Ägyptens ist die Ruhestätte des Königs Djoser aus dem Jahre 2.700 vor Christus. Die 60 Meter hohe Stufenpyramide steht im Zentrum einer Grabanlage mit kunstvoll bearbeiteten Tempeln, Palästen und Galerien und zeugt somit von den ersten Versuchen, das rein zweckgebundene Bauen zu einer Kunst mit Symbolwert zu machen. Diese neue Form der Architektur stellte eine Revolution in der Baukunst dar und läutete die Periode der technischen und kulturellen Innovationen Ägyptens ein.
30 Kilometer südlich von Kairo lag westlich vom Nil-Tal die Nekropole Sakkarah, einst Teil der Nekropolen von Memphis, der ersten Hauptstadt des Alten Ägyptens. Die einzige erhaltene Grabstätte ist die des Königs Djoser. Diese 60 Meter hohe Stufenpyramide stammt aus dem Jahre 2.700 vor Christus und ist somit die erste jemals erbaute Pyramide. Alleine durch ihre gigantischen Ausmaße, sie ist zehn Mal höher, als die zuvor gebauten Grabstätten, hebt sie sich von diesen ab. Aber erst eine spektakuläre Entdeckung zu Beginn des 20. Jahrhunderts ließ die wahre Bedeutung der Pyramide zutage treten: Sie ist kein isoliertes Monument, sondern steht im Zentrum einer Anlage mit Tempeln, Palästen, Kapellen und sogar zur Lagerung von Nahrung und Kleidern vorgesehenen Galerien.
Die Ausmaße dieser Grabstätte und das virtuose Spiel mit der geometrischen Perfektion der Anlage zeigen den ersten Versuch, das rein am Nutzen orientierte Bauen zu einer Kunst von symbolischer Bedeutung zu machen. Zudem fanden die Archäologen eine Skizze auf einem Steinfragment: die älteste überlieferte Architekturskizze. Auch die Säulen sind ohne Vorläufer, sie tragen zum ersten Mal die uns heute bekannte Form. Die Stufenpyramide von Sakkarah stand damit am Beginn der bahnbrechenden technischen und kulturellen Errungenschaften Ägyptens. Diese Revolution des Bauens war der Beginn dessen, was wir heute Architektur nennen: die Zusammenführung von Bau und Kunst.

Die PHILHARMONIE LUXEMBURG
Die im Kirchbergviertel beherbergte Philharmonie Luxemburg wurde von dem renommierten französischen Architekten Christian de Portzamparc entworfen. Richard Copans wirft einen Blick auf die extravagante Architektur des 2005 im Luxemburger Europa-Viertel eröffneten Bauwerks.
Seit 2005 thront die von dem französischen Architekten Christian de Portzamparc entworfene Philharmonie Luxemburg über dem Kirchberg-Plateau – Sitz zahlreicher Banken und europäischer Institutionen. Ziel dieses 1995 geplanten Großprojektes war es, in ein und demselben Musikhaus drei ganz unterschiedliche Konzertsäle zu vereinen: den großen Konzertsaal der Philharmonie, einen kleinen Kammermusiksaal und die sogenannten „Espace Découverte“ für Experimentalmusik und experimentelle Kunst.
Ein neues Bauwerk inmitten des jungen Luxemburger Stadtviertels. Dennoch, mit ihren runden Formen und der weißen Farbe hebt sich die Philharmonie von den Glas- und Betonquadern der umliegenden Häusern ab. Der Architekt Christian de Portzamparc, der als erster Franzose den begehrten Pritzker-Preis gewann, ist bekannt für seine extravagante Architektur: Ob die Pariser Cité de la musique oder die Französische Botschaft in Berlin, seine Bauwerke zeichnen sich durch ausgefallene Form- und Farbgebung aus.
Zusammen mit dem erfahrenen Akustiker Albert Xu Yaying gestaltete der renommierte Architekt das Luxemburger Konzerthaus zu einem gigantischen Musikinstrument. Schlanke weiße Pfeiler säumen den elliptisch geschwungenen Baukörper. Sie wirken wie eine filternde Fassade und bilden eine Lichthülle um das Kernstück des Baus, den großen Konzertsaal.
De Portzamparc wollte das Gebäude zu einem Leuchtturm machen, ein Orientierungspunkt im Kirchbergviertel, das nach Einbruch der Nacht wie ausgestorben erscheint. Die Zwischenräume der Pfeiler wurden daher mit Neonröhren ausgestattet. Ihre Abfolge deckt das gesamte Farbspektrum ab: von Rot über Violett bis hin zu Weiß. Diese Farbvariationen setzen die Bewegung der Formen fort, verstärken sie und geben ihnen den Schwung, der aus der Architektur eine rhythmische Kunst macht.

Der BAHNHOF ST PANCRAS, London
Am Anfang der Geschichte des Bahnhofs St. Pancras stand eine kleine Eisenbahngesellschaft mit einer aggressiven Geschäftspolitik. Die Gesellschaft wollte in London zu einem Zeitpunkt Fuß fassen, als der Kampf um den Schienenzugang zur Hauptstadt in vollem Gange war.
Wie die anderen Londoner Kopfbahnhöfe sollte auch St. Pancras über ein stählernes Bogendach sowie über ein Luxushotel verfügen: Das heißt zwei getrennte Einrichtungen und zwei unterschiedliche Bauprojekte. Sie wurden von zwei Männern geleitet, die von Zusammenarbeit nichts hielten.
Als die Midland-Eisenbahngesellschaft 1863 die Genehmigung zum Bau des Bahnhofs erhielt, erteilte sie William Barlow, einem der glänzendsten Ingenieure der damaligen Zeit, den Auftrag. Die Rekordtragweite seiner 1865 fertiggestellten Bahnsteighalle, mit einer Höhe von über 30 Metern und einer Länge von über 200 Metern, blieb bis zur Pariser Weltausstellung 1889 unübertroffen. Die Stahlarmatur wird bei St. Pancras durch keine Stützen oder Pfeiler getragen. Barlow entwarf eine waghalsige und effiziente Konstruktion: Da das Bauwerk aufgrund der Bodenunebenheiten erhöht errichtet werden musste, verlegte er den Träger für die Fundamentplatte ins Untergeschoss, wo er die ganze Belastung aufnehmen konnte. Der Bau einer höheren und breiteren Stahlstruktur wurde so möglich.
Der Auftrag des Hotels ging an Sir George Gilbert Scott. Der Vertreter des gothic revival sollte den Erwartungen der Midland Company in puncto Luxus Gestalt geben – und das Midland Grand Hotel wurde tatsächlich das größte und luxuriöseste der Hauptstadt. Es weist Zitate aus allen Epochen der Gotik auf, vom flandrischen Rathaus bis zur französischen Kathedrale, besonders aber liebäugelte Scott mit dem Mittelalter. Er gestaltete eine moderne Gotik, die den funktionalen Anforderungen gerecht werden konnte. Vom Glanz des Hotels ist heute nicht mehr viel übrig: Leer und unbeheizbar dämmert es einem ungewissen Schicksal entgegen. Es bleibt nur noch die denkmalgeschützte Fassade, monumentales Überbleibsel des grenzen-losen Ehrgeizes einer Eisenbahngesellschaft.

Baukunst 7
Die Frauen-Universität in Seoul
Die Pariser Bibliothek Sainte-Geneviève
Die Kirche Notre-Dame du Raincy
Der Friedhof von Igualada

Der deutsche Barcelona-Pavillon
Architekt: Ludwig Mies van der Rohe / Baujahr: 1929
Der Deutsche Pavillon der Weltausstellung 1929 in Barcelona hat Maßstäbe gesetzt. Er sollte das damalige Deutschland, seine Taten, sein Wesen und seine Suche nach Klarheit und Integrität widerspiegeln. Dem Architekten Mies van der Rohe ist dies auf eine einzigartige Weise gelungen: Er schuf ein Werk, das nicht nur das Ausstellungswahrzeichen, sondern auch stilbildend für die moderne Architektur wurde.
Noch nie hat ein Gebäude von relativ geringem Ausmaß eine so ungeheure Berühmtheit erlangt wie Mies van der Rohes Deutscher Pavillon auf der Weltausstellung 1929 in Barcelona. Dem offiziellen Antrag zufolge sollte der Pavillon die Selbstdarstellung der Weimarer Republik mit ihren Taten, Fähigkeiten und Zielen sein. Diesem Anspruch scheint Mies van der Rohe gerecht geworden zu sein: Sein Werk wurde als die Öffnung der Weimarer Republik zu technischen und kulturellen Innovationen aufgefasst.
Seine erstaunliche Gleichsetzung von Größe und Zweckfreiheit, die Verachtung der schlichten Nützlichkeit von Bauwerken nahmen zudem Einfluss auf die Baukunst des 20. Jahrhunderts: Das Werk van der Rohes symbolisiert gewissermaßen die reine Architektur und gilt als prägender Vertreter der deutschen avantgardistischen Architekturströmungen. So markieren zum Beispiel die Wände und Böden nur mögliche Grenzen und wirken strukturgebend, sie umschließen die Räume aber nicht. Der Barcelona-Pavillon gilt als einer der Höhepunkte der Karriere von Mies van der Rohe, der einer der bedeutendsten Vertreter der modernen Architektur ist. 1986 wurde das Gebäude am Originalstandort wieder aufgebaut.
Die Dokumentation analysiert die einmalige Konstruktion und erklärt das Spiel mit Wänden, Pfeilern und Wasserbecken, die im Zusammenwirken ihre Bedeutung erlangen – ein offenes Labyrinth aus Marmor, Glas und Chrom.

Das Schloß Maisons
Architekt: François Mansart
Das im klassizistischen Barock erbaute Schloss Maisons-Laffitte gilt als eine architektonische Revolution. Das Meisterwerk des genialen Architekten François Mansart ist aufgrund seiner Vorbildwirkung für spätere Bauwerke ein Prototyp, der viel über Baukunst lehrt.
Über der Seine erhebt sich das Schloss von Maisons-Laffitte, das Mitte des 17. Jahrhunderts von François Mansart erbaut wurde, mit seinen sanft geneigten französischen Gärten. Es besteht aus einem Mittelkorpus und zwei Seitenflügeln – eine später vielkopierte Symmetrie, die unter anderem auch beim Pariser Rathaus und seinen Ablegern in den verschiedenen Arrondissements anzutreffen ist.
Das Schloss Maisons-Laffitte, das als das Meisterwerk von François Mansart gilt, sollte ein Ort der Zerstreuung werden. An einer Krümmung der Seine im Department Yvelines gelegen, mit Blick auf den königlichen Wald von Saint-Germain-en-Laye, empfängt das Schloss seine Besucher mit ausgebreiteten Armen. Ganz anders als die üblicherweise mit der Bezeichnung “Schloss” assoziierten Bauten des Mittelalters ist die Anlage das Ergebnis eines langen Wandlungsprozesses, welches das höfische Leben und dessen Anforderungen in der Renaissance in den Mittelpunkt rückte – eine Entwicklung, die in der Renaissance bei vielen Schlössern ähnlich verlief. François Mansart erfindet mit Maisons-Laffitte dann einen neuartigen Typus: Er spielt mit den Merkmalen des mittelalterlichen Erbes, wie den Gräben rund um die Plattform und der Erinnerung an Wachbastionen, Zugbrücke und Bergfried, und verbindet das Konzept des Schlosses mit dem des Ortes der Zerstreuung.
Im Inneren des Schlosses lehnte Mansart gemalten Schmuck ab, so dass das Wechselspiel von Form und Raum zur Geltung kommen konnte und duldete gerade einmal bauplastische Verzierungen als Dekoration seiner Architektur. Leider wurde die intelligent durchdachte Belle Etage nur eine einzige Nacht lang von König Ludwig XIV. besucht.
Als Bauwerk war das Schloss zu seiner Entstehungszeit ein Prototyp: Zahllose französische Verwaltungsgebäude des 19. Jahrhunderts sind von der Bauweise des Schlosses Maisons-Laffitte inspiriert.

Baukunst 8

CENTRE NATIONAL DE LA DANSE
Ein Film von Juliette Garcias
Anfang der 1970er Jahre strandete am Ufer des „Canal de l’Ourcq“, im „roten Gürtel“ nordöstlich von Paris, ein gigantisches Schiff aus Rohbeton: das Verwaltungszentrum Pantin.
Jacques Kalisz, damals noch Architekturstudent, gehörte einem sozial engagierten Stadtplanungsarbeitskreis an, den einige kommunistisch regierte Kommunen um Paris ins Leben gerufen hatten. Ihn beauftragte der Bürgermeister von Pantin mit dem Bau eines Komplexes, der sämtliche kommunalen Einrichtungen (Gericht, Sozialversicherung, Polizeirevier, Finanzamt, Gewerkschaftshaus, Arbeitsamt, Leichenschauhaus, Hundezwinger usw.) unter einem Dach vereinen sollte – ein damals völlig neuartiges Konzept.
20 Jahre später stand das Verwaltungszentrum leer. Was als utopisches Flaggschiff gedacht war, wurde zum Symbol des Niedergangs einer Gesellschaftsutopie. Da der Abriss jedoch zu kostspielig gewesen wäre, wurde beschlossen, es zu rehabilitieren.
2004 wurde das Gebäude saniert und einem neuen Verwendungszweck zugeführt. Anstelle der Angestellten und ihrer Büros zogen Tanzcompanien und Ballettstudios ein. Das neu entstandene „Centre National de la Danse“ war das erste große Projekt der beiden jungen Architektinnen Antoinette Robain und Claire Guieysse, die dafür mit dem französischen Architekturpreis „Prix de l‘Equerre d’Argent“ ausgezeichnet wurden.

DIE ZITADELLE VON LILLE
Die Zitadelle von Lille wurde im 17. Jahrhundert von Sébastien le Prestre de Vauban im Auftrag von König Ludwig XIV. errichtet und diente als Vorbild zahlreicher Militäranlagen .
Die Zitadelle von Lille wird vom französischen König Ludwig XIV. in Auftrag gegeben und in den Jahren 1667 bis 1673 erbaut. Ihr Architekt Sébastien le Prestre de Vauban bezeichnet sie als die “Königin der Zitadellen”. Sie ist die erste Militäranlage dieser Art und dient vielen anderen, die nahe der Grenzen Frankreichs errichtet werden, als Vorbild.
Der Ingenieur und bedeutendste Militärarchitekt seiner Zeit entwirft die Zitadelle als Antwort auf die Entwicklung der damaligen Kriegsführung. Le Prestre de Vaubans Genie besteht darin, keinen Aspekt außer Acht zu lassen und alle Gegebenheiten und Probleme in die Konzeption einzubeziehen: Ballistik, Exposition, Versorgung, Organisation des Garnisonslebens, landschaftliche und geografische Gegebenheiten. Vauban war mehr als ein Militärarchitekt, er machte Land Art, bevor es den Namen gab, und seine geometrisch angelegten Festungen prägen die Landschaft.
Heute sind diese Bauten zwar lediglich Denkmäler ohne strategische Funktion, dennoch sind sie aufgrund ihrer stringenten Konzeption und formalen Schlichtheit eine Inspirationsquelle für Architekten. Zum Beispiel für Jean Nouvel, der diese Festungsanlagen für “der Fantasie unserer besten Filmregisseure würdig” hält.

DAS VITRAHAUS
ARCHITEKTE: Jacques HERZOG & Pierre de MEURON
Baujahr: Zwischen 2005 und 2010
Von außen wirkt es wie ein gewagter Häuserstapel und von innen bietet es vielfältige Ausblicke in die Landschaft um Weil am Rhein. Das Baseler Architekturbüro Herzog & de Meuron schuf im Auftrag des Schweizer Designermöbelunternehmens Vitra ein spektakuläres Objekt, das vielseitig nutzbar ist.
Im Jahr 2006 beauftragte das Schweizer Designermöbelunternehmen Vitra das Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron mit dem Bau eines Ausstellungsgebäudes auf seinem Vitra Campus in Weil am Rhein, auf einem Gelände, das bereits Bauten von Stararchitekten wie Frank Gehry beherbergt. Vier Jahre später eröffnet das VitraHaus und wird seitdem vielseitig als Showroom, Museum, Shop und Café genutzt.
Das baukünstlerische Konzept von Herzog & de Meuron beruht auf den beiden Elementen “Urhaus” und “Stapelung von Räumen”. Die von ihnen entworfenen zwölf Satteldachhäuser sind so aufeinander aufgebaut und ineinander verschachtelt, dass ganz überraschende Innen- und Außenperspektiven entstehen. Tagsüber eröffnet dieses “Haus aus Häusern” dem Besucher vielfältige Ausblicke auf die Landschaft, nachts wirken die voll verglasten Giebelseiten wie hell erleuchtete “Schaufenster”. Ein Haus, das sowohl zum Verweilen als auch zum Staunen einlädt.

DER KÖLNER DOM
Der Kölner Dom, begonnen 1248, fertiggestellt 1880, gilt als Meisterwerk gotischer Architektur. Wegen des Umfangs und der Qualität der Arbeiten wurde der Dom zu einem Kristallisationspunkt dieses Architekturstils. Noch bei seiner Vollendung im 19. Jahrhundert war der Dom das größte Gebäude der Welt. 1996 wurde der Kölner Dom in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

Kultur- und Freizeitzentrum SESC POMPEIA, São Paulo
Das Kultur- und Freizeitzentrum SESC Pompeia, auch Fábrica de Pompéia genannt, gehört zu den berühmtesten Bauten in São Paulo. Die ehemalige Tonnenfabrik wurde in den 1980er Jahren von der aus Italien stammenden Architektin Lina Bo Bardi (1914‒1992) in ein Kultur- und Freizeitzentrum umgewandelt.

Das ROLEX LEARNING CENTER
Das Rolex Learning Center am Ufer des Genfer Sees wurde von zwei japanischen Architekten errichtet: Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa. Ob eine Scheibe Schweizer Käse, ein Molekulargewebe oder ein fliegender Teppich – die Welle aus Glas und Beton lässt verschiedenste Assoziationen zu und verrät nicht sofort den Zweck des Baus. Er beherbergt die Bibliothek der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) – mit über 500.000 Bänden an Fachliteratur und rund 800 Arbeitsplätzen für Studenten.
Das Gebäude der beiden japanischen Architekten Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa steht am Genfer See. Der 2010 entstandene Bau – eine Welle aus Glas und Beton – lässt verschiedenste Assoziationen zu. Einige sehen in dem Gebäude eine Scheibe Emmentaler Käse, andere ein Molekulargewebe oder einen fliegenden Teppich. Die Fassade lässt auf den ersten Blick nicht auf die Nutzung des Gebäudes schließen. Es handelt sich um ein Learning Center, ein neues Konzept multifunktionaler Räume, die der Wissensvermittlung gewidmet sind.
In dem schwerelos wirkenden Gebäude mit einer Fläche von mehr als 20.000 Quadratmetern gibt es keine einzige Wand. Anstelle von Trennwänden haben sich die Architekten für eine künstliche Landschaft entschieden, in der sich sanft ansteigende Hügel und Täler abwechseln. Die Studenten spazieren nach Lust und Laune herum, wechseln von der Bibliothek ins Restaurant und von den Arbeitsräumen ins Amphitheater ohne dabei je durch eine Tür zu gehen.
Der Besucher wählt seinen eigenen Weg, lässt sich in diesen Räumen, deren Funktion er selbst anpassen oder festlegen muss, von seiner Neugier leiten. Es ist ein einzigartiger Ort, ein architektonisches Meisterwerk, das die Vorstellung von Raum und dessen Aufteilung revolutioniert und dem Besucher eine bisher unbekannte, körperliche wie geistige Erfahrung bietet.

Baukunst 9

Das Glasschiff von Frank Gehry
Ein Film von Richard Copans
2006 gab Bernard Arnault dem Architekten Frank Gehry den Auftrag, ein Gebäude für die Stiftung Louis Vuitton zu errichten, um sich sein eigenes Denkmal als Mäzen und Kunstförderer zu setzen.
Keine vertikalen Linien, keine einheitliche Fassade, keine Wiederholungen: Im Namen der Fondation Louis Vuitton errichtete der berühmte kanadisch-US-amerikanische Architekt Frank Gehry zwischen 2006 und 2014 am Rande des Pariser Bois de Boulogne ein Bauwerk ohnegleichen: ein Glasschiff, das die Illusion von Bewegung vermittelt und getrieben vom Westwind nach Paris zu segeln scheint.
Das beeindruckende, die Baumwipfel überragende Gebäude besteht aus einer Ansammlung von 19 weißen, organischen Blöcken. Jeder einzelne ist eine abstrakte Komposition mit zahlreichen Facetten und gekrümmten oder abgeschrägten Oberflächen; bedeckt mit Platten aus Ductal, einem weißen Faserbeton. Darüber liegen, in Anlehnung an das Glasdach des Pariser Grand Palais, weitläufig angeordnete Glasflächen. Jede Fläche, jeder Block hat eine individuelle Form und Größe, etwa wie ein dreidimensionales Puzzle, das den Eindruck eines “Erdbebenmusters” verleiht. Durch die überlappende Anordnung entstehen für den Besucher zugängliche Freiräume und Durchgänge.
Das Museum besteht aus einem großen Auditorium und elf Galerien, in denen zeitgenössische Kunst einen Ausstellungsort findet. Sechs der Galerien werden dank spezieller Lichtröhren mit Tageslicht beleuchtet. Durch die präzise Verwendung vieler einzigartiger Elemente aus Glas und Beton vereint das Gebäude industrielle Herstellung und Handwerkskunst sowie auch die Luxusindustrie, deren jüngstes Aushängeschild dieser bemerkenswerte Komplex ist.
Seine von den Glassegeln geschützten Terrassen laden auf einen architektonischen Spaziergang ein und eröffnen eine wunderbare Sicht auf die französische Hauptstadt.

Das Haus der Kommunistischen Partei Frankreichs
Ein Film von Richard Copans
Das Haus der Kommunistischen Partei Frankreichs wurde von dem brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer zwischen 1965 und 1980 errichtet.
Eine sanft gewellte Glasfassade, eine weiße Kuppel: Das am Fuße des Parks Buttes-Chaumont gelegene Haus der Kommunistischen Partei Frankreichs im Nordosten von Paris verkörpert die architektonische Umsetzung einer politischen Ideologie und gilt als Meilenstein moderner Architektur.
Der von dem Brasilianer Oscar Niemeyer zwischen 1965 und 1980 errichtete Bau befindet sich an einem Ort von hoher architektonischer und politischer Relevanz, befanden sich hier doch einst das Haus der Gewerkschaften, die Arbeiteruniversität sowie der Pavillon des sowjetischen Konstruktivisten Konstantin Melnikow während der internationalen Kunstgewerbeausstellung im Jahr 1925.
Da die Kommunistische Partei Frankreichs im Laufe der Jahre viele Wähler einbüßen müsste, teilt sie sich die Büros mittlerweile mit einer E-Commerce-Firma. Dennoch bleibt der Komplex bis heute eines der schönsten Zeitzeugnisse moderner Architektur der 60er Jahre. Was damals als Symbol für den Aufstieg der Kommunistischen Partei Frankreichs galt, dient heute häufig als Kulisse für Kinofilme, Werbeclips und Modenschauen.

Die Kunstschule von Glasgow
Ein Film von Juliette Garcias
Die Kunstschule von Glasgow wurde zwischen 1897 und 1907 vom Architekten Charles Rennie Mackintosh erbaut.
Die zwischen 1897 und 1909 errichtete Kunstschule von Glasgow gilt als wichtigstes Werk des britischen Architekten, Malers und Designers Charles Rennie Mackintosh, einem Wegbereiter der Moderne. Trotz genauster Vorgaben der Geldgeber bezüglich der Größe des Bauwerks, der Flure und Fenster gelang es dem Architekten mit seiner obsessiven Liebe zum Detail und seiner Vorliebe für Brüche, dem Gebäude einen einzigartig modernen Charakter zu verleihen. Er nutzte seine Spielräume und schuf ein Werk, das verschiedenste Architekturstile unter einem Dach vereint und konstruktive Funktionalität mit dem Subjektivismus des Art nouveau verbindet. So brach er beispielsweise die Fassade des fabrikähnlichen Gebäudes auf, indem er in die Mitte eine Villa setzte. Auch die asymmetrische Anordnung des Eingangsbereichs und der Fenster lockern das Erscheinungsbild der Hochschule auf. Die seitlichen Fassaden ähneln auf der einen Seite einer mittelalterlichen Burg, auf der anderen Seite dominieren moderne geometrische Glasfronten.
Das Innere der Schule folgt einem rein funktionalen Schema. In drei übereinanderliegenden Etagen befinden sich Ateliers mit großen Glasfronten. Bibliothek, Verwaltungsräume und Treppenhäuser sind an die Rückseite des Riegels ausgelagert. In den Ateliers verzichtete Mackintosh bewusst auf dekorative, raumgebende Elemente, um den Künstlern ihre Freiheit zu lassen.
Nachdem die Schule jahrelang wenig Beachtung fand, wurde sie zur Pilgerstätte für Generationen von Architekten. Sie hatte prägenden Einfluss auf die Architektur des frühen 20. Jahrhunderts – und das, obwohl Mackintosh während der gesamten Bauzeit keinen Fuß auf die Baustelle setzte.

Das Haus Unal
Ein Film von Julien Donada
Das Haus Unal wurde von Claude Häusermann-Costy entworfen und zwischen 1972 und 2008 von Joël Unal erbaut.
Fernab der üblichen Katalogangebote verwirklichte sich das Ehepaar Unal seinen Traum von einem eigenen Haus in der Natur, weit entfernt vom hektischen modernen Leben. Die Besonderheit: Das von Claude Häusermann-Costy entworfene und zwischen 1972 und 2008 von Joël Unal erbaute Eigenheim ist ein Kugelhaus, gänzlich frei von geraden Linien.
Es wird der Architekturströmung des Skulpturalen Bauens zugeordnet, welche Bauten umfasst, die Kunst und Architektur in sich vereinen.
Für das aus mehreren Kugeln bestehende Ensemble wurde ein und dieselbe Bauweise verwendet, bei der Beton ohne Schalung von Hand auf ein Metallstützwerk aufgetragen wird. Die Kugel ist die stabilste und energetisch günstigste Form. Abgesehen von ihrer besonderen Ästhetik, erweist sich die Kugel auch als eine äußerst effiziente wirtschaftliche Konstruktion.
Joël Unal erbaute sein Haus über einen Zeitraum von 36 Jahren hinweg und orientierte sich dabei zwar an den Plänen der Architektin, passte diese aber bisweilen gemäß seiner eigenen Vorstellungen und Bedürfnisse an. Frei gestaltete Formen sind heutzutage geradezu das Symbol eines monumentalen, von Computersoftware entwickelten Baustils geworden. Doch was für große Museen oder Sportanlagen gang und gäbe ist, ist für kleinere Bauten eher ungewöhnlich. Das Haus der Unals ist daher ein außergewöhnliches Beispiel kleinerer skulpturaler Bauten. Seine sanften Formen und ineinanderfließenden Räume lassen es wie eine Hommage an die organische Architektur Antoni Gaudís wirken.

Das Mausoleum „Itimad ud-Daula“
Ein Film von Richard Copans
Das Mausoleum „Itimad ud-Daula“ im nordindischen Agra wurde zwischen 1622 und 1628 im Auftrag von Nur Jahan, der Gattin des Mogulherrschers Jahangir, für ihren Vater errichtet.
Das Mausoleum „Itimad ud-Daula“ im nordindischen Agra markiert einen Wendepunkt in der Mogul-Architektur. Sein von geometrischen Edelsteinverzierungen durchzogener Marmor und die lichtdurchfluteten Jalis ergänzen sich zu schönster Harmonie und bieten ein friedliches Nebeneinander von Einflüssen aus Persien, Europa, Indien und China. Das Mausoleum wurde zwischen 1622 und 1628 im Auftrag von Nur Jahan, der Gattin des Mogulherrschers Jahangir, für ihren Vater errichtet. Das monumentale, quadratische Grabmal aus weißem Marmor liegt inmitten einer viereckigen Gartenanlage am Fluss Yamuna und war ursprünglich als Ort der Besinnung für Familie und Freunde gedacht.
Während die Pavillons der äußeren Mauer rot sind, besteht das Mausoleum aus weißem Marmor. Dies stellte einen Bruch mit der Tradition dar, denn weißer Marmor war bis dahin den Gräbern der Heiligen vorbehalten gewesen. Die Achsen der vier Pavillons entlang der Gartenmauer schneiden sich in der Mitte des Mausoleums und erzeugen somit eine doppelte Symmetrieachse – im Mogulreich ein Symbol für Kraft, durch die Gleichgewicht und Harmonie entstehen.
Der weiße Marmor, mit dem das massive Ziegelsteinmonument verkleidet ist, ist auf allen Außenseiten mit Halbedelsteinen verziert. Sterne, Dreiecke, Trapeze und Sechsecke sind mit der „parchiri kiri“ – Technik in den Marmor eingelassen und lassen die große Fassade wie ein großes Puzzle wirken. Ebenso faszinierend sind die 16 Jalis – steinerne, geometrische Fensterstrukturen, die die Wände des Mausoleums in sanft gemustertes Sonnenlicht hüllen. Außergewöhnliche sind auch die zwei Grabkammern des Mausoleums, eine im Innern und eine zweite, lichtdurchflutete Ausführung der selbigen auf der Terrasse direkt darüber. Die Errichtung eines Bauwerks über einem bestatteten Leichnam war schon damals kontrovers und beschäftigte die gesamte islamische Welt. Die dekorativen Malereien im Innern des Gebäudes bilden Themen aus Persien, China und sogar Europa ab und gelten als Beweis für die Toleranz, die Mogul Jahangir gegenüber allen Religionen walten ließ.

Die Van-Nelle-Fabrik in Rotterdam
Ein Film von Stan Neumann
In Schiedam, einem Vorort von Rotterdam, steht die Van-Nelle-Fabrik, gebaut zwischen 1926 und 1931 nach Plänen der Architekten Jan Brinkman und Leendert van der Vlugt.
Van Nelle, eine holländische Tabak-, Kaffee- und Teefabrik, die bereits seit über 100 Jahren besteht, expandiert Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Fabrik im alten Leuvehafen wird den Bedürfnissen des Unternehmens nicht mehr gerecht. Doch die innerstädtische Lage lässt keine Vergrößerung zu.
1924 wird daher der Bau einer neuen Fabrik beschlossen, außerhalb der Stadt, wo noch viel Platz ist. Der neue Standort liegt an einem großen Kanal, was den Effekt noch verstärkt, dass die Stirnseite und Hauptfassade der Fabrik an den Bug eines großen Schiffes erinnern.
In diesem riesigen Gebäudekomplex wurden bis in die 80er Jahre Tabak, Kaffee und Tee verarbeitet. Entsprechend der verschiedenen Produkte sind die Gebäude unterschiedlich hoch. Für den Tabak, dessen Verarbeitung am kompliziertesten ist, stehen acht Stockwerke zur Verfügung, für den Kaffee sechs und für den Tee nur drei. Die Produkte werden nach modernsten, aus den USA übernommenen Methoden verarbeitet. Der gesamte Raum ist so eingeteilt, dass mehr und schneller produziert werden kann. Alle Wege haben die Form einer Geraden – die Form der größtmöglichen Effektivität.
Die Van-Nelle-Fabrik verband also wirtschaftliche Prinzipien des Taylorismus mit architektonischen Visionen des Bauhauses. Beim Bau war das heutige Industriedenkmal in vieler Hinsicht seiner Zeit weit voraus. Eine Innovation, die den Entwurf der Fabrik mit ihren vollverglasten Fassaden beeinflusst hat, ist das Prinzip der sogenannten Daylight Factory, bei dem das Tageslicht bestmöglich genutzt wird. Diese Transparenz verleiht dem Gebäude trotz seiner gewaltigen Dimensionen Leichtigkeit und Eleganz.

BAUKUNST 10

Roissy 1
Der Flughafen Roissy 1 wurde zwischen 1969 und 1974 von dem noch jungen Architekten Paul Andreu erbaut. Da sich der Flugverkehr Mitte der 60er Jahre verdoppelt hatte, beschloss der französische Staat den Bau eines neuen Flughafens nördlich von Paris. Es sollten vier Kilometer Pisten und eine stadtähnliche Infrastruktur entstehen.
Das Terminal 1 des größten französischen Flughafens Roissy-Charles-de-Gaulle im Norden von Paris verkörperte lange die Bestrebungen der modernen Architektur. Als 1967 die Planung begann, setzte der Massentourismus ein, und von Krise war keine Rede. Man glaubte an den Fortschritt und träumte von Geschwindigkeit.
Während zuvor beim Bau von Flughafengebäuden funktionale Kriterien im Mittelpunkt standen, die vor allen Dingen Aufgabe von Ingenieuren waren, traten nun architektonisch-ästhetische Aspekte in den Vordergrund. Man begann sich weniger für die Flugzeuge, als für Schönheit und Kühnheit des Bauwerks zu interessieren. Diese Revolution ist vor allem dem Architekten Paul Andreu, geboren 1938, zu verdanken.
Im Zentrum des Flughafens Roissy 1 steht ein fensterloser Betonring von 200 Metern Durchmesser, den ein Lichtschacht durchdringt. Er dient der Orientierung und steuert wie in einer Art Kreisverkehr die Passagierströme. Die Flugzeuge gruppieren sich um mehrere Satelliten, die rings um das Terminal herum angelegt sind. „Die Flughafenanlage funktioniert wie eine Art Kreislauf, beim Herz würde man von der Pumpe sprechen“, erklärt Andreu. Und noch heute befindet sich der Flughafen – inzwischen um Roissy 2 ergänzt – weiter in Entwicklung.
Roissy 1 war Andreus erste Arbeit, die in der Geschichte des Flughafenbaus auch die Grenzen der geschlossenen Form aufgezeigt hat. Inzwischen verzichten Architekten auf starre Strukturen. Auf Roissy 1 folgten rund 50 Großflughafengebäude in der ganzen Welt. Andreu wurde so zu einem der bedeutendsten Flughafenarchitekten des 20. Jahrhunderts.

Die Pariser Stadtpaläste: Hôtel de Soubise und Hôtel de Rohan
In dieser Folge: Mit ihrer imposanten Architektur und prächtigen Innenausstattung zeugen das Hôtel de Rohan in Straßburg und das Hôtel de Soubise in Paris von der ungezügelten Ambition der Fürsten von Soubise, die bei der Errichtung der beiden Stadtpaläste ihrem Größenwahn freien Lauf ließen.
Anfang des 16. Jahrhunderts kaufte der erste Fürst von Soubise der Herzogsfamilie Guise das Hôtel de Clisson ab und baute es zum Hôtel de Soubise um. Gleichzeitig ließ er einen zweiten Stadtpalast für seinen fünften Sohn, den Fürstbischof von Straßburg, errichten: das Hôtel de Rohan. Zu den architektonischen Extravaganzen, die sich die Fürsten von Soubise im Laufe der Bauarbeiten einfallen ließen, gehören der kolonnadengesäumte Ehrenhof des Hôtel de Soubise und seine reich verzierte Fassade, das Steinrelief „Die Sonnenpferde“ über den Stalltoren und die von Germain Boffrand fantasievoll gestalteten Prinzessinnengemächer.
Das so entstandene urbane Ensemble entspricht einerseits dem Modell des Pariser Stadthauses „zwischen Hof und Garten“, das die Architekten einfallsreich an die unregelmäßige Grundstücksfläche anpassten, und veranschaulicht andererseits die politische Bedeutung von Gebäuden für den französischen Adel des 18. Jahrhunderts.

Das Gästehaus von Wa Shan
Ein Film von Juliette Garcias
Das Gästehaus von Wa Shan wurde zwischen 2011 und 2013 von dem chinesischen Architekten Wang Shu erbaut.
Zwischen 2011 und 2013 erbaute der chinesische Architekt Wang Shu ein Gästehaus auf dem Campus einer der angesehensten Kunsthochschulen des Landes, rund 200 Kilometer südlich von Shanghai. Reizvoll in eine Berg- und Wasserlandschaft eingebettet, schlängelt sich das „Wa Shan“ entlang eines Flusses und verschwindet stellenweise hinter der üppig wuchernden Vegetation. Unverkennbar ist der Bezug des Architekten zur traditionellen chinesischen Malerei und zu den Gärten der gebildeten Schicht im alten China. Außerdem ist das Gebäude ein gelungenes Beispiel für nachhaltiges und umweltfreundliches Bauen, das Tradition und Moderne verbindet.
In Hangzhou, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Zhejiang, steht ein Gästehaus der besonderen Art: das „Wa Shan“ – was wörtlich so viel bedeutet wie „Berg aus Ziegeln“. Das Haus wurde zwischen 2011 und 2013 auf dem Campus der angesehensten Kunsthochschule des Landes errichtet. Sein Architekt ist der Chinese Wang Shu, Jahrgang 1963, der selbst dort lehrt. In Hangzhou, der jahrtausendealten Kulturhauptstadt Chinas, vollzieht sich seit geraumer Zeit eine rasante Entwicklung: Innerhalb von weniger als 30 Jahren verlor die Stadt 90 Prozent ihrer traditionellen Wohngebäude. Diese radikale Verwandlung der Stadtlandschaft entspricht dem rasanten kapitalistischen Wandel des Landes.
Mit seiner Arbeit will der umwelt- und traditionsbewusste Architekt ein Gegenmodell zur fortschreitenden Globalisierung schaffen. Er engagiert sich sehr auf dem Gebiet des nachhaltigen Bauens. Dabei verbindet er moderne und überlieferte Bauweisen, insbesondere solche, die historisch vor Ort gewachsen sind. Für seine experimentelle Praxis und seine Werke wurde er 2012 mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet. Wang Shu lädt den Besucher mit seinem Gästehaus zu einer Erkundungstour ein, bei der Innen- und Außenwelt, Landschaft und Gebäude, harmonisch miteinander verschmelzen. Auf dem Weg durch die kleinen labyrinthischen Räume ergeben sich ständig neue Aus- und Einblicke. Die Raumerlebnisse gleichen denen, die durch die traditionellen Kulturlandschaften auf den chinesischen Tuscherollbildern vermittelt werden. Wang Shu ist ein begnadeter Szenograph. Darüber setzt er sich in seinem Kampf um die Nachhaltigkeit dafür ein, Ziegel und anderem Bauschutt zu verwenden, den er aus abgerissenen traditionellen Häusern der Provinz rettet. So wurde das „Wa Shan“ aus recyceltem Material und aus Stampflehm gebaut – eine wahre Provokation in einer Stadt, die rücksichtslos zubetoniert wird.
Eine Koproduktion mit ARTE France, La Cité de l’Architecture et du Patrimoine, Les Films d’ici – Frankreich, 2015, 26 m

Das Haus aus Eisen – das Van Eetvelde-Haus von Victor Horta
Ende des letzten Jahrhunderts war Brüssel ein Jahrzehnt lang die Hauptstadt der modernen Architektur. Die Art Nouveau- oder Jugendstil-Bewegung, die mit der Nachahmung historischer Stile brach, schaffte die Grundlagen für eine neue Auffassung von der Architektur und der Rolle des Architekten. Victor Horta galt als ihr Meister. Dem Wohnhaus, das er zwischen 1895 und 1897 für Edmond Van Eetvelde baute, liegt ein in mehrfacher Hinsicht origineller Entwurf zugrunde. Es ist weniger luxuriös und beeindruckend als frühere Bauwerke von Victor Horta, wie etwa das Solvay-Haus oder das heute abgerissene „Volkshaus“ („Maison du Peuple“). Dafür bringt es am entschiedensten die Modernität seines Schöpfers zum Ausdruck. Horta wagte es als Erster, für ein privates Wohnhaus eine Eisenkonstruktion zu verwenden, die bis dahin Bahnhöfen, Gewächshäusern oder Industriebauten vorbehalten war. Dadurch entstand eine Fassade, die die durchsichtigen Fassaden zeitgenössischer Gebäude vorwegnahm. Ganz Künstler geht es Horta nie nur um praktische und zweckrationale Lösungen. So auch beim Lichthof, der das Zentrum des Hauses bildet und in dem seine Funktionen in genialer Weise zusammenlaufen. Er ist als glasüberdachter Wintergarten gestaltet, um den herum kaleidoskopartig die Festräume angeordnet sind. An ihm kann man am besten die Vielfalt der Parameter sehen, die der Architekt in seine Entwürfe hat einfließen lassen: Horta gelingt es, unter einem Dach Luxus und Fantasie, Zweckrationalität und Komfort zu vereinigen. Jenseits der landläufigen Auffassung vom Jugendstil erweist sich das Van Eetvelde-Haus somit als ein Gebäude, das bereits am Ende des 19. Jahrhunderts Zeichen der Überlegungen und Bestrebungen zeitgenössischer Architektur in sich trägt.

Hoffnung nach der Katastrophe – Das “Haus für alle” in Rikuzentakata
Ein Film von Richard Copans
Im Jahr 2012 wurde im japanischen Küstenstädtchen Rikuzentakata ein Gemeindehaus eingeweiht, das auf Initiative von Architekten als „Minna no ie“ (Haus für alle) entstanden ist.
Das Gebäude ist Teil einer Serie partizipatorisch entwickelter Bauten, die den Bewohnern der durch Tsunami und Erdbeben verwüsteten Tohoku-Region als Gemeinschaftseinrichtungen und Begegnungsstätten dienen sollen. Das Projekt, das in nur fünf Monaten realisiert wurde, erhielt auf der Biennale in Venedig 2012 den Goldenen Löwen. Ein Beispiel für Hilfsbereitschaft und Solidarität nach verheerenden Naturereignissen, oder – wie der Filmtitel besagt – für „Hoffnung nach der Katastrophe“.
Nach dem Erdbeben in Japan im März 2011 rief ein Architektenkollektiv unter der Leitung von Toyo Ito das Projekt „Ein Haus für alle“ ins Leben, das es sich zum Ziel setzte, Gemeinschaftseinrichtungen und Begegnungsstätten für die Einwohner der zerstörten Städte zu schaffen. Die drei jungen Architekten Sou Fujimoto, Kumiko Inui und Akihisa Hirata bauten ein solches Haus in der Küstenstadt Rikuzentakata, die von dem Tsunami im Anschluss an das Erdbeben besonders schwer betroffen war.
Sie schufen ein Gebäude mit Spitzdach und säulenartig in den Himmel aufragenden Baumstämmen aus dem zerstörten Wald. Die Tragglieder wirken wie archaische Säulen und erinnern an die monumentalen Holzpfeiler japanischer Shinto-Schreine. Die Außenmauern werden von einer Treppen- bzw. Terrassenanlage spiralförmig umfangen. Der Bau gibt den Blick auf die vernichtete Stadt frei, von der wenig mehr als das Straßenraster erhalten ist. Das Haus wurde in sechs Monaten entworfen und in fünf Monaten gebaut.
Das Projekt, das bei der Architekturbiennale 2012 in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde, ist ein Beispiel für Hilfsbereitschaft und Solidarität nach verheerenden Naturereignissen, oder – wie der Filmtitel besagt – für „Hoffnung nach der Katastrophe“.

Inhaltsübersicht

Mit den Folgen:

Baukunst 6
Die Moschee von Isfahan
Das SAS Royal Hotel
Die Schokoladenfabrik Menier
Die Djoser-Pyramide in Sakkara
Die Philharmonie Luxemburg
Der Bahnhof St Pancras in London / William Barlow und George Gilbert Scott

Baukunst 7
Der Deutsche Pavillon in Barcelona
Die Frauen-Universität in Seoul
Die Pariser Bibliothek Sainte-Geneviève
Die Kirche Notre-Dame du Raincy
Der Friedhof von Igualada
Das Barockschloss von Maisons-Laffitte

Baukunst 8
Centre National de la Danse (CND), Paris
Die Zitadelle von Lille
Das Vitra Haus
Der Kölner Dom
Kultur- und Freizeitzentrum SESC Pompeia, São Paulo
Das Rolex Learning Center

Baukunst 9
Das Glasschiff von Frank Gehry
Das Haus der kommunistischen Partei Frankreichs
Die Kunstschule von Glasgow
Das Haus Unal
Das Itimad-du-Daula
Die Van Nelle Fabrik in Rotterdam

Baukunst 10
Das Gästehaus von Wa Shan
Der Flughafen Roissy 1
Die Bibliothek von Exeter von Louis I. Kahn
Das Haus für alle von Rikuzentakata  
Das Haus aus Eisen von Victor Horta
Pariser Stadtpaläste: Hôtel de Soubise und Hôtel de Rohan

Credits
Regie: Richard Copans, Stan Neumann

Produktionsland: F
Produktionsjahr: 1995 - 2015
Pressestimmen

Interview mit den Machern:

Die Auswahl der Gebäude Wie wurden die Gebäude und Monumente der Kollektion ausgewählt? Es gibt mehrere Kriterien: Zu Beginn der Serie befassten wir uns erst mit der modernen Architektur und schließlich mit der Vorstellung von Modernität, d. h. es ging um das XIX.-XX. Jahrhundert. (…) Wir wollten eindeutige Gebäude, beeindruckende Gebäude, Bauwerke, die mit sehr bekannten und sehr berühmten Architekten verbunden sind, mit den großen Meistern der Architekturgeschichte. Wir haben die Idee einer Typologie der Gebäude, d. h. wir werden nur Privatvillen, Museen und Bahnhöfe nehmen … Wir wollen also für das XIX. Jahrhundert ein Einfamilienhaus, einen Bahnhof, eine Oper und ein Gebäude mit Sozialwohnungen wie das Familistère de Guise zeigen. Wir werden versuchen, im Großen und Ganzen für jedes spezielle Programm ein Gebäude auszuwählen. Das Gleiche gilt für das, was man die Periode am Anfang des XX. Jahrhunderts nennt, die zwar nicht mehr zum XIX. Jahrhundert gehört, aber auch noch keine lebenden Architekten betrifft wie Le Corbusier, Aalto, Franck Lloyd Wright. (…)
Es ist also ziemlich kompliziert, da man zum Beispiel in der zeitgenössischen Architektur sehr schnell mit dem konfrontiert wird, was heutzutage das Wesentliche des architektonischen Schaffens ausmacht. Man läuft Gefahr, beispielsweise mit vielen Museen dazustehen, die im Allgemeinen beeindruckende Merkmale sind, die sich ein Staat oder eine Stadt geben und für deren Bau sie einen berühmten Architekten engagieren … Es ist also verlockend, eine Reihe über Museen zu machen. Wir wollen das aber nicht, und das beeinflusst die Wahl der Gebäude etwas. Es ist ein wenig kompliziert. Dann gibt es noch die Geographie, die Vorstellung, nicht einfach nur Gebäude in Frankreich zu zeigen, sondern Europa zu verlassen (wir waren bereits in den Vereinigten Staaten, aber noch nicht in Japan …). Wir befinden uns eher in einer Architektur der reichen Länder, was die Frage nach der Architektur entfernter Kulturen oder kolonisierter Länder aufwirft. (…)
Im Anschluss müssen alle Partner zustimmen, d. h. das Musée d’Orsay, das Centre Georges Pompidou, die Direction de l’Architecture et du Patrimoine, ARTE, Stan Neumann, Films d’Ici und ich. Es ist also fast wie im UNO-Sicherheitsrat. Nun fehlt nur noch ein letztes Gespräch zwischen Stan Neuman und mir, und zwar über die Frage: „Können wir einen 26-minütigen Film machen?“.
Es gibt nämlich großartige Gebäude, bei denen man aber schon im Voraus weiß, dass 26 Minuten nicht reichen. Oder es gibt im Gegenteil keinen Grund, einen 26-minütigen Film zu drehen, oder man weiß nicht, wie man ihn drehen soll. Oder man stellt fest, dass man keinen Zutritt zum jeweiligen Gebäude hat. Wir wollten zum Beispiel seit sechs oder sieben Jahren das Sullivan-Auditorium in Chicago filmen, aber das war nicht möglich, da sich die Zuständigen im Streit befanden: Das Gebäude war zwischen den Eigentümern des Auditoriums und denen von der Universität aufgeteilt worden. Und so gelang es uns nicht, eine Drehgenehmigung zu erhalten. (…) In so einem Fall müssen wir entscheiden, ob es sich lohnt oder nicht bzw. ob wir diese Probleme lösen können oder nicht.

»Die ambitioniertesten architektonischen Bauwerke werden mit seltenem Archivmaterial, Modellen und im Gespräch mit den größten Architekten unserer Zeit dargestellt.« Detail.de

»Es sind Baumeister und ihre Welten, Visionen, die hier zu Wort kommen« – MDR Figaro

»Ruhige, nie Effekt haschende Bilder gehen eine sinnvolle Allianz ein mit unaufdringlich platzierten 3D-Animationen. Der maßvolle Wortanteil lässt Luft für assoziative Freiräume. Eine sehr schöne Art durch aufregende Architektur geführt zu werden.« detail.de

»Auch die vorhergehenden Folgen springen: von Barock zu Jugendstil, von Sparkassenbau zu Kathedrale, von Europa nach Asien. Das mag irritieren und ist doch so schlüssig: Architektur, so macht uns diese Reihe aufmerksam, folgt keiner linearen Evolution. Es gibt zwar verstreute rote Fäden, neue Techniken, wegweisende Ideen – doch am Ende steht eben alles nebeneinander, in Resonanz, das eine erst durch das andere ein bisschen besser zu verstehen.« – MDR Figaro

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Best. Nr.: 1030
ISBN: 978-3-8488-1030-7
EAN: 978-3-8488-1030-7

Länge: 780
Bild: NTSC, Farbe, 16:9
Ton: Dolby Stereo
Sprache: Deutsch Englisch Französisch
Regionalcode: codefree

Label: ARTE Edition
Edition: ARTE EDITION
Reihe: Baukunst, Architektur
Rubrik: Dokument


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