Film | Baukunst 1–5

Baukunst 1–5

Regie: Richard Copans, Stan Neumann

29 Meisterwerke der Baukunst in 29 Filmen auf 5 DVDs:

Walter Gropius, Peter Zumthor, Antonio Gaudí, Jean Nouvel, Santiago Calatrava, Daniel Libeskind, Frank Lloyd Wright, Louis Henry Sullivan, Alvar Aalto, Frank O. Gehry – nur eine Auswahl der großen Namen, die im Zentrum dieser Filmreihe stehen. Die ambitioniertesten architektonischen Bauwerke der Vergangenheit und Gegenwart werden mit seltenem Archivmaterial, Modellen und im Gespräch mit den größten Architekten unserer Zeit vorgestellt.

“Baukunst“ ist eine Reihe, deren einzelne Folgen jeweils einem herausragenden Werk der Baukunst gewidmet sind. Ob Museum, Einkaufspassage, Opernhaus, Bahnhof oder Schule: unterschiedliche Konzepte, Epochen, Trends und Architekten werden monografisch vorgestellt. Woher rührt der hohe architektonische Wert dieser Bauwerke? Gibt es neben individuellen, kulturellen oder historischen Besonderheiten bestimmte Grundvoraussetzungen, deren Erfüllung die überdurchschnittliche Qualität eines architektonischen Projekts garantiert? Die einzelnen Dokumentationen stellen jedes der Bauwerke im Detail vor und geben ausgehend davon Einblicke in die Intentionen des Architekten, seine Ideen und Konzepte, seine individuelle architektonische „Handschrift“. Im Laufe der Sendereihe sollen so die verschiedenen Positionen der einzelnen Architekten verdeutlicht werden, um ähnliche Ansätze, Besonderheiten oder Gegensätze erkennbar zu machen und auf diese Weise den Facettenreichtum und die unterschiedlichen Problemstellungen des architektonischen Schaffens aufzuzeigen. Wandern Sie durch dieses Labyrinth von Themen, Theorien und Architekturkonzepten und entdecken Sie dabei nach und nach Werte und Ideen der Architektur.

Baukunst 1

Walter Gropius: Das Bauhaus in Dessau, Dokumentation von Frédéric Compain
Nach Entwürfen von Walter Gropius entstand 1926 in Dessau das vielleicht berühmteste Bauwerk des 20. Jahrhunderts: die Hochschule für Gestaltung, das Bauhaus. Es gilt als Gropius’ Hauptwerk und gehört seit 1996 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Das eigentümliche Gebäude mit seinen geradwinkligen Glasfassaden und Flachdächern wurde zu einem der markantesten Beispiele der Architektur des 20. Jahrhunderts und galt schon ein Jahr nach Baubeginn als Gropius’ Hauptwerk. In der Geschichte von Kultur, Architektur, Design, Kunst und neuen Medien des 20. Jahrhunderts nimmt das Bauhaus eine besondere Rolle ein:
Es brachte eine Reihe der herausragendsten Architekten und Künstler seiner Zeit zusammen und war neben pädagogisch innovativer Ausbildungsstätte auch Produktionsort und Fokus internationaler Diskussionen. In einer krisenbehafteten Situation der Industriegesellschaft hat es sich der Frage nach der Beherrschbarkeit des Modernisierungsprozesses mit den Mitteln der Gestaltung gestellt.
Das Bauhausgebäude in Dessau entstand 1925/26, nachdem das 1919 in Weimar gegründete ‚Staatliche Bau-haus’ aus politischen Gründen einen Ortswechsel vollziehen musste. Walter Gropius bezeichnete es als „Frucht des ständigen Austausches“, der im Bauhaus herrschte. Meister und Werkstätten hatten überdies wesentliche Gebiete der Einrichtung selbständig geplant und durchgeführt.
Ziel des Bauhauses war es, durch eine Rückkehr zur Grundlage allen künstlerischen Schaffens – zum Handwerk – die Trennung von Kunst und Produktion zu überwinden. Seine Gestaltungen zielten dahin, Gegenstände und Räume für eine künftige humanere Gesellschaft zu schaffen.
Das Dessauer Bauhaus besteht aus drei Flügeln: dem Bau der “Technischen Lehranstalten” (später Berufsschule), dem Werkstättentrakt mit seiner weithin bekannten Glasvorhangfassade und dem Atelierhaus, das die Mensa sowie Wohnateliers für Studierende beherbergte. Schultrakt und Werkstättenflügel sind durch eine zweigeschossige Brücke verbunden, die für Verwaltungsräume und das Baubüro Gropius (später: Architekturabteilung) gedacht war.
Im flachen Bau zwischen Werkstättentrakt und Atelierhaus sind Aula und Bühne untergebracht. Schon 1926, ein Jahr nach Baubeginn, galt das Bauhaus als Gropius’ Hauptwerk und war eines der am meisten kommentierten und gefilmten Architekturbeispiele in Europa. Seit 1996 gehört das Bauhaus zum Weltkulturerbe der UNESCO. Der Architekt Walter Gropius ließ sich in den USA nieder und machte sich dort als radikaler Erneuerer der amerikanischen Architektur einen Namen. Er starb 1969 in Boston.

Alvaro Siza: Architekturfakultät Porto
Alvaro Siza – einer der bedeutendsten zeitgenössischen Architekten – schafft neue Anbauten für die Architekturfakultät, an der er selbst gelernt hat und nun auch lehrt.
Das Institut liegt am Stadtrand und grenzt an den neuen Universitätscampus. Auf den ersten Blick ähnelt die zwischen einer Brücke und der Autobahn nach Lissabon eingekesselte Anlage einer Vorstadtsiedlung. Tatsächlich aber handelt es sich um ein sehr schönes Gelände, am Hang über dem Douro gelegen, wo einst das Großbürgertum die prunkvollsten Villen der Stadt errichten ließ. Von der früheren Pracht ist zwar nicht viel übrig geblieben, doch Alvaro Sizas Bau schafft ständig Bezüge zu dieser Landschaft und dem terrassenförmigen Terrain. Obwohl Siza ein gespanntes Verhältnis zu seinem Gebäude hat, vieles nicht wie geplant realisiert werden konnte und dem Gebäude noch heute der Eindruck des Unfertigen anhaftet, ist es Siza gelungen, die unterschiedlichen und eigenständigen Gebäude zu einem vollkommen in sich geschlossenen Ensemble zusammenzufügen, das sich zugleich auch ausreichend öffnet, um einen ständigen Dialog mit der Außenwelt eingehen zu können. Siza feierte vor Kurzem seinen 70. Geburtstag und die Stadt Madrid ehrte ihn mit der Ausstellung ‘Visionen’, die in der Canal-Stiftung zu sehen war. Er lebt und arbeitet heute in seiner Heimatstadt Porto.
André Godin: Das Familistère von Guise – Eine Sozialutopie im 19. Jahrhundert
André Godin imaginiert eine Arbeitersiedlung in der Nachfolge Fouriers und seiner Phalanstères – eine gemeinschaftliche Wohnform mit Palastcharakter. Die Mauer eines riesigen Industriegeländes, auf der ein Firmenschild mit dem Namen “Godin” angebracht ist. Gegenüber der Eingang zu einem Gelände mit dem Hinweis: “Schritttempo. Privatgrundstück”. Eine kleine Brücke überspannt eine Flusskrümmung…
… Am anderen Ufer steht ein langgezogenes, massiges Gebäude aus rotem Ziegelstein, das sich radikal von seiner Umgebung abhebt: der von Jean-Baptiste André Godin entworfene Familistère.
Der Familistère in Guise (Département Aisne) stellt zunächst die Verwirklichung eines Projektes dar: das einer gemeinschaftlichen Wohnform – ein Novum in der damaligen Zeit, das so ausgereift war, dass es als Vorläufer des sozialen Wohnungsbaus betrachtet werden kann.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand im Zuge der industriellen Revolution eine neue Bevölkerungsschicht, die in den Städten auf engstem Raum zusammenlebte, dort aber keine geeigneten Wohnbedingungen vorfand. Die ersten Arbeitersiedlungen wurden nach dem Vorbild von Einfamilienhäusern gebaut, denn selbst die aufgeklärtesten Industriellen scheuten vor kollektiven Wohnformen zurück: Sie befürchteten, in diesen revolutionären Zeiten durch die Konzentration einer großen Anzahl von Arbeitern in gemeinsamen Unterbringungen einen Unruheherd zu schaffen.
Ganz anders der Familistère in Guise: ein einziges 450 m langes Gebäude mit erhöhtem Erdgeschoss, drei Stockwerken und einem Dachgeschoss; 16 Gemeinschaftstreppen führen zu den Wohnungen, in denen 1.500 Menschen – und damit genauso viele wie in 300 Einfamilienhäusern – untergebracht werden können.

Jean Nouvel: Nemausus 1 – Sozialer Wohnungsbau der 80er Jahre
Jean Nouvel hat für Nîmes den sozialen Wohnungsbau neu erfunden und schuf eine Anlage mit 114 geräumigen Sozialwohnungen – im Aussehen mehr ein futuristischer Dampfer, der sich lustvoll über die Zwänge des sozialen Wohnungsbaus hinwegsetzt.
Der französische Architekt Jean Nouvel hat für die südfranzösische Stadt Nîmes 114 Sozialwohnungen gebaut. Für Nouvel ist "eine schöne Wohnung vor allem eine große Wohnung. Bei Nemausus ist Quantität die ästhetische Grundvoraussetzung. Nemausus sieht aus wie ein Raumschiff aus dem Film “Krieg der Sterne” und wurde seitdem vielfach kopiert…
Diese Wohnungen haben 30 % mehr Grundfläche als die herkömmlichen Sozialbauwohnungen – ohne mehr zu kosten. Das kommt einer Revolution gleich. Denn Wohnungen dieser Kategorie wurden bisher immer nach dem “Schuhkartonprinzip” entworfen. Für Nouvel ist die futuristische Formgebung von Nemausus keine künstlerische Laune, sondern das Ergebnis gründlichen Nachdenkens, eines Kampfes für den Raum und gegen die Kosten. Nouvels Hauptziele sind: Platz in den Wohnungen gewinnen, indem die überdachte kollektive Nutzungsfläche des Hauses verkleinert wird, Raum und Licht gewinnen, die Kosten reduzieren, indem die Struktur des Gebäudes so weit wie möglich vereinfacht wird.
Die Wohnungen von Jean Nouvel setzen sich über den typischen Grundriss der modernen Dreizimmerwohnung hinweg. Bei seinen zwei- bis dreistöckigen Maisonettewohnungen entfallen die traditionellen Eingänge und Flure. Raum wird nicht nur durch zusätzliche Grundfläche, sondern auch durch Volumen gewonnen. Die vorgeschlagenen Grundrisse bieten außerdem große Variationsmöglichkeiten (17 verschiedene Grundrisse für 114 Wohnungen).
Die wichtigsten Werke von Jean Nouvel sind das “Institut du Monde Arabe”, die Lyoner Oper, die Kongresshalle von Tours und die Cartier-Stiftung in Paris.

Richard Rogers und Renzo Piano: Das Centre Georges Pompidou
1977 entwickeln die noch gänzlich unbekannten Architekten Richard Rogers und Renzo Piano ein Gebäude und gewinnen mit diesem gemeinsamen Entwurf einen Wettbewerb. Eine komplexe Metallstruktur, die über mehrere Ebenen den Blick auf Paris freigibt und sich von Anbeginn markant aus dem Pariser Stadtbild abhebt.
1977 wurde nach siebenjähriger Bauzeit das “Centre National d’Art et de Culture Georges Pompidou” eingeweiht. Das Kulturzentrum, das nach dem historischen Stadtviertel, in dem es sich befindet, auch Centre Beaubourg genannt wird, beherbergt neben einem neuen Museum für moderne Kunst u. a. eine öffentliche Bibliothek, mehrere Lesesäle, Ausstellungsräume für wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst sowie ein Kino.
Auch Pierre Boulez sollte dort sein Zentrum für zeitgenössische Musik bekommen; außerdem war die Unterbringung eines ohnehin notwendigen Design Centers geplant. Ganz nach Pompidous Motto: “Wir packen sie alle in ein Gebäude, und möglichst viele sollen Zugang haben.”
Die beiden Architekten, der Engländer Richard Rogers und der Italiener Renzo Piano, waren damals kaum 30 Jahre alt und noch ganz unbekannt. Zum ersten Mal gewannen sie mit einem gemeinsamen Entwurf einen Wettbewerb. Ihr “Informationszentrum” geht mit der Zeit, denn es ist wandelbar. Des weiteren bestach an dem Entwurf, dass er die Beteiligung der Besuchern des Zentrums an Veranstaltungen in den Mittelpunkt stellte. Das Gebäude war zudem als Ort des Bummelns, als eine Art Riesenjahrmarkt, geplant, dessen komplexe Metallstruktur auf mehreren Ebenen den Blick über Paris freigibt.
Die Veranstaltungen auf dem von einer Fußgängerzone umgebenen Vorplatz verweisen bereits auf das Geschehen im Innern des Gebäudes: Man kann sich setzen, mit anderen sprechen oder einfach nur schauen, kurz, das Miteinander auf der Straße verlängert sich bis ins Gebäude hinein: Zum riesigen Eingangsbereich des Kulturzentrums ist der Zutritt frei. Während hinter der transparenten Fassade zum Vorplatz hin Rolltreppen und Fahrstühle die Beförderung der Besucher gewährleisten und gleichsam in der Vertikalen die Bewegung der Fußgänger im städtischen Raum weiterführen, sind in der Fassade zur Rue du Renard hin sichtbar und durch die Verwendung unterschiedlicher Farben gekennzeichnet alle technischen Funktionen (Belüftung, Wasser- und Stromversorgung, Transport der Werke und großer Lasten) untergebracht. Das Prinzip, alles zu zeigen und alles als nützlich auszuweisen, war zumindest zur Zeit des Entwurfs eine Provokation. Mittlerweile ist das Centre Beaubourg ein Pariser Wahrzeichen geworden, das tagsüber an seinen bunten und metallfarbenen Röhren erkennbar ist und sich nachts wie ein riesiges beleuchtetes Schiff im Lichtermeer abzeichnet.

Otto Wagner: Postsparkasse Wien
Otto Wagner konzipierte um die Jahrhundertwende eines der ersten Bürogebäude des 20. Jahrhunderts und brach damit radikal mit der traditionellen Banken-Architektur.
Das Gebäude der Wiener Postsparkasse wird heute, 90 Jahre nach seiner Fertigstellung, noch immer genutzt und befindet sich weitgehend in seinem ursprünglichen Zustand. Ihr Architekt Otto Wagner gehörte zur “Wiener Secession” der Jahrhundertwende. In dem Gebäude sind Büros für 2700 Mitarbeiter und Schalterräume für die Kundenbetreuung untergebracht. Obwohl dabei auf architektonische Lösungen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zurückgegriffen wurde, setzt der Stil entschieden auf Modernität.
Von der Wiener Ringstraße aus ist nur die zentrale Fassade des leicht im Hintergrund stehenden Gebäudes sichtbar. Die von der industriellen Gestaltung inspirierte glatte Oberfläche und die klaren Linien waren damals in der Architektur ganz neue Formen. Sie stehen für Schnelligkeit und Rationalität und charakterisieren die moderne Stadt. Die Fassade nimmt die geradlinige Straßenführung auf. Die Gestalt des Gebäudes ergibt sich unmittelbar aus seiner Struktur, während sich die äußerst sparsame Verzierung den verwendeten Materialien anpasst.
Über die Haupthalle mit dem Schalterraum und drei Büroetagen spannt sich ein Glasdach, das von einer Eisenstruktur getragen wird. Während in anderen Banken die Eisen- und Glasstrukturen durch ein Dekor “geadelt” werden, entschied sich Wagner für Schlichtheit und scheinbare Einfachheit zugunsten des natürlich wechselnden Lichtes.

BAUKUNST 2

Frank Lloyd Wright: Das Johnson-Verwaltungsgebäude
Die Verwaltungsgebäude der Johnson Wax Company zählen zum Hauptwerk eines der bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts: Frank Lloyd Wrights.
Als SC Johnson 1936 den Bau eines neuen Firmensitzes beschloss, wandte er sich zunächst an einen ortsansässigen Architekten, zeigte sich jedoch von dessen Projekt im neoklassizistischen Stil mit Nischen und Fassadenfiguren nicht überzeugt. Man riet ihm, sich an Frank Lloyd Wright zu wenden. Es kam zu einer Begegnung zwischen den beiden Männern, und obwohl sie völlig unterschiedliche Ansichten vertraten, fanden sie Gefallen aneinander. Frank Lloyd Wright galt zu dieser Zeit als der größte lebende Architekt. Dabei konnte der 68-Jährige lediglich auf zwei Aufträge verweisen. Frank Lloyd Wright ein in sich ruhendes Gebäude, das keine Verbindung zur Außenwelt zu haben scheint. Mit seinen fensterlosen Pyrex-Fassaden, langen Backsteinmauern, Rundungen und scheinbar fehlenden Eingängen wirkt der Bau auf den ersten Blick völlig unzugänglich. Von oben gesehen erinnert er an eine Flugzeugspitze oder einen Schiffsrumpf und erhält dadurch einen futuristischen Anstrich. Der Bau artete in einen regelrechten Ideenwettstreit zwischen Bauherr und Architekt aus, wodurch sich die Bauzeit hinauszog. 1944 willigte Johnson, der dringend Forschungslabors zur Erprobung neuer Erzeugnisse benötigte, in Frank Lloyd Wrights Entwurf ein: einen vierzehnstöckigen Turm, der sich über dem Parkhaus erhebt und direkt mit den Büroräumen verbunden ist. Da die Außenwände nicht tragend sind und das Gebäudegleichgewicht auf einer zentralen Säule ruht, wurde der Turm zu einer gewagten technischen Herausforderung und überdauerte seinen Schöpfer nicht: Der Turm ist heute aus Sicherheitsgründen geschlossen, die Labors wurden verlegt. Das Verwaltungsgebäude von Johnson brachte Frank Lloyd Wrights Karriere neuen Aufwind. Als der Architekt 1959 im Alter von 90 Jahren starb, hinterließ er über 30 unvollendete Bauprojekte. Das Verwaltungsgebäude ist in fast unverändertem Zustand erhalten geblieben. Die Firmenangestellten weihen ihm einen regelrechten Kult. Auch in der Unternehmenskommunikation nimmt das Gebäude weiterhin einen wichtigen Platz ein, denn das Werk Frank Lloyd Wrights ist inzwischen zum Markenzeichen und Label der Firma SC Johnson geworden.
La Galleria Umberto I.
Die Galleria Umberto I. ist eine der letzten überdachten Passagen, die in Europa erbaut wurden. Dieses formvollendete Bauwerk ist gleichzeitig ‚Krönung und Schwanengesang’ einer für das 19. Jahrhundert charakteristischen und mit ihm ausgeklungenen Architekturform.
Die Galleria Umberto I. ist eine der letzten überdachten Passagen, die in Europa erbaut wurden. Dieses formvollendete Bauwerk ist gleichzeitig ‚Krönung und Schwanengesang’ einer für das 19. Jahrhundert charakteristischen und mit ihm ausgeklungenen Architekturform. Mit ihren Theatern, Billardsälen, Druckereien und Banken ist die Umberto-Passage in Neapel gewissermaßen eine ‚Stadt in der Stadt’.
Die ersten überdachten Passagen wurden ab 1820 in Frankreich, später auch in anderen europäischen Ländern gebaut und fanden rasche Verbreitung. Mit der Schaffung von geschützten Passagen in den Stadtzentren wurden zwei Ziele verfolgt: Zum einen wurde durch die so entstandenen Fußgängerzonen das Straßennetz entlastet und zum anderen konnten dem Einzelhandel wetterunabhängige Geschäftsräume zur Verfügung gestellt werden.
Die gehört zur letzten Generation von Passagen, die sich durch ihren Monumentalstil auszeichnen. Passagen bescheidenerer Ausmaße gingen häufig auf die Initiative privater Unternehmer zurück, wohingegen Monumentalpassagen eindeutig als öffentliche Bauwerke verstanden wurden und fester Bestandteil städtebaulicher Sanierungsprojekte waren.
Neben praktischen Beweggründen gab es auch politische und wirtschaftliche Motivationen für den Bau der Passagen. Beispielsweise entstand dabei mitten in der Stadt auf Tausenden von Quadratmetern Raum für Geschäfte, Büros und elegante Wohnungen. Im Zuge dieser großangelegten Immobilienspekulation fügten sich neue, palastähnliche Gebäude zu einem Luxusviertel, das sich bewusst vom alten Stadtbild abheben wollte.
Trotz des Monumentalstils handelt es sich bei der Galleria Umberto I nicht um ein echtes Architektenbauwerk, da die Passage vor allem das Projekt von Investoren war.
Das mit dem Bau einer überdachten Passage verfolgte Modernitätsideal drückt sich nur in den gigantischen Ausmaßen, nicht aber in einer technisch oder architektonisch kühnen Gestaltung aus. Zum eigentlichen Erfolg der wurde ihre riesige, öffentlich zugängige , die bei jedem Wetter genutzt werden kann.

Santiago Calatrava: Satolas-TGV – Der Bahnhof auf dem Land
Der Bau dieser spektakulären Anlage für den französischen Hochgeschwindigkeitszug TGV auf dem Gelände des Flughafens von Lyon war für den Architekten und Ingenieur Santiago Calatrava eine Herausforderung und zugleich Gelegenheit, der modernen Technik ein Denkmal zu setzen. Der TGV-Bahnhof in Lyon-Satolas wurde 1994 anlässlich der Olympischen Spiele von Albertville eröffnet. Der Bau dieser spektakulären Anlage für den französischen Hochgeschwindigkeitszug TGV auf dem Gelände des Flughafens von Lyon war für den Architekten und Ingenieur Santiago Calatrava eine Herausforderung und zugleich Gelegenheit, der modernen Technik ein Denkmal zu setzen. Lyon-Satolas hat nichts mehr mit den zentral gelegenen Kopfbahnhöfen des 19. Jahrhunderts gemein: Es ist ein stadtferner Verkehrsknotenpunkt, der Luft-, Schienen- und Straßenverbindungen vernetzt. Obwohl die hohen technischen Anforderungen und die gigantischen Ausmaße der Anlage nur wenig Freiraum für Fantasie ließen, ist dem Architekten ein großartiges Bauwerk gelungen: Die Bahnhofshalle, eine aluminiumverkleidete Stahlkonstruktion, die sich über den Gleisbereichen und den Bahnsteigen aus Beton erhebt, erinnert mit ihren beiden ausgebreiteten Riesenflügeln an einen zum Flug ansetzenden Vogel – oder an einen Faltvogel aus Papier, denn in Calatravas Schaffen findet sich stets auch ein Fünkchen Ironie. Santiago Calatrava, Jahrgang 1951, vertritt entgegen dem heute alles beherrschenden Rationalismus einen bewusst figurativen Baustil. Sein bildhauerischer und zugleich organischer Ansatz zeugt von einem ganz eigenen, poetischen Herangehen, mit dem Calatrava immer wieder versucht, bis an die Grenzen des Möglichen vorzudringen. Mit dieser „Kunst des Möglichen“ nimmt er in der zeitgenössischen Architektur eine Sonderstellung ein.

Peter Zumthor: Die Felsentherme von Vals
Mit seinem Gebäude erneuert Zumthor das Konzept des Thermalbads und hält sich gleichzeitig strikt an dessen Vorgaben. Eine Inszenierung des Wassers in all seinen Formen.
Die heutige Sendung taucht ein in die einzigartige Welt der Natursteintherme in dem Schweizer Bergdorf Vals. Das Thermalbad, das seit seiner Eröffnung im Jahr 1996 Badegäste aus aller Welt anzieht, ist ein Meisterstück des Architekten Peter Zumthor. Mit ihrem faszinierenden Zusammenspiel von Wasser, Stein und Licht spricht die Therme alle Sinne des Besuchers an.
Bereits zwei Jahre nach ihrer Eröffnung im Jahre 1996 wurde die von Peter Zumthor neugebaute Therme von Vals unter Denkmalschutz gestellt. Das Gebäude ist ein Quader aus übereinandergeschichteten Steinplatten. Durch das Zusammenspiel von Wasser, Stein und Licht wird eine Erfahrungswelt geschaffen, in der es dank der Lichteffekte, der Spiegelungen auf dem Wasser, der verwendeten Baustoffe und der Räumlichkeiten keinen Platz für Eintönigkeit gibt.
Die kleine Schweizer Gemeinde Vals (1000 Einwohner) liegt in Graubünden zwischen Zürich und Locarno. Seit hundert Jahren ist sie durch die Nutzung ihrer warmen Bergquelle (29°C), vor allem für ein Thermalbad, bekannt.
Als in den 80er Jahren der Besuch des Touristenkomplexes zurückging, beschloss die Gemeinde, ein neues Thermalbad zu bauen. Peter Zumthor bekam den Zuschlag.
Von der Straße aus sieht man nur eine große Mauer, die aus flachen Steinen zu bestehen scheint und breite, spaltenförmige Öffnungen aufweist. Aus der Nähe erkennt man übereinandergeschichtete Steinplatten aus Valser Quarzit, der zwei Kilometer von der Therme entfernt gewonnen, dann mit der Steinsäge millimetergenau zurechtgeschnitten, nummeriert und exakt platziert wurde – mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks.
Mit seinem Gebäude erneuert Zumthor das Konzept des Thermalbads und hält sich gleichzeitig strikt an dessen Vorgaben. Der Kontakt mit dem Wasser führt immer zu einer Veränderung. Aber es geht nicht nur um die Wirkung der mineralischen Bestandteile des Wassers: Durch das gelungene Zusammenspiel von Wasser, Stein und Licht wird eine zugleich geistige und sinnliche Erfahrungswelt geschaffen – eine Reise von der Helligkeit in die Dunkelheit, von der Nacht in den Tag, von der Fröhlichkeit des großen Bades in die Einsamkeit einer abgelegenen Grotte. Hier taucht man aus dem öffentlichen Raum in die Privatsphäre ein: durch einfaches Durchqueren von Bereichen, die eher an Landschaft als an Architektur erinnern: Eine Landschaft aus Irrgärten und Tunneln, in der man die gesamte Geologie der Berge lesen kann.

Félix Duban: Die Pariser Kunsthochschule
Im Herzen von Paris bietet die Pariser Kunsthochschule Dubans ihren Studenten ein Résumé der Architekturgeschichte. Der Tempel des „Beaux-Arts“-Stils, der erheblichen Einfluss auf Generationen von Architekten in der ganzen Welt ausübte.
In Saint-Germain-des-Prés im Herzen von Paris liegt die Hochschule für Bildende Künste, die École Nationale Supérieure des Beaux Arts, die das gesamte 19. Jahrhundert hindurch das non plus ultra des Kunstunterrichts in Europa darstellte. Die Schule, zwischen der Rue Bonaparte und dem Quai Malaquais gelegen, umfasst heute gut 2 Hektar. Sie setzt sich aus Gebäuden verschiedener Epochen zusammen und stellt eine Art Stadt in der Stadt dar.
Zeichnen, nach dem Vorbild der Antike oder eines Meisters kopieren… Jahrhundertlang war das die Grundlage des von der Akademie definierten Kunstunterrichts. Zu diesem Zweck häuften sich dort Modelle, architektonische Bruchstücke und Kopien der Gemälde von Renaissancemeistern. François Debret, der erste mit der Raumgestaltung beauftragte Architekt, beschränkte sich bei seinem Projekt auf den Garten am äußersten Ende des Grundstücks, wo er zwei neue Gebäude errichten wollte. Félix Duban, ein junger Student, der von Anfang an am Projekt mitarbeitete, gewann 1823 den “Prix de Rome” und ging für 5 Jahre in die Villa Medicis. Dem Preisträger des “Prix de Rome”, dem die Académie de France einen fünfjährigen Aufenthalt in Rom finanzierte, war nach seiner Rückkehr die Karriere sicher. Kurz nach seiner Rückkehr aus Rom wurde Félix Duban dann im Zuge der Revolution von 1830 zum Architekten der École des Beaux Arts ernannt. Duban sollte das seit mehreren Jahren ruhende Projekt von Debret wiederbeleben. Keine einfache Aufgabe. Er fand ein von Debret fertiggestelltes und ein begonnenes Gebäude vor, beide zwischen älteren Gebäuden eingezwängt und ohne Zugang zur Straße. Als erste Maßnahme entfernte er die alten Konstruktionen, die den Blick auf das Palais verstellten. Den drei älteren Gebäuden wies er drei verschiedene Funktionen zu. Das sogenannte Logen-Gebäude diente fortan den Wettbewerben. Das Palais, nunmehr von trivialen Funktionen befreit, wurde in das dem Studium dienende Museum verwandelt und enthält Sammlungen, die Bibliothek und einen Raum für die Preisverleihung.
Aber das Verdienst von Dubans Konzeption besteht vor allem darin, dass er sich nicht damit begnügte, Modelle im Innern der Mauern auszustellen: Die Mauern selbst erhielten museale Funktion. Um das im hinteren Teil des Terrains eingeschlossene Studien-Palais freizulegen, entwarf Duban eine halbkreisförmige Exedra, durch die eine Art Ehrenhof vor dem Palais entstand. Den Durchgang von diesem Hof zum Lenoire-Garten bildet der Gaillon-Bogen, nach dem gleichnamigen Schloss aus der französischen Renaissance benannt, wo er herstammt. Diesen Bogen, ein Rest des Musée des Monuments Français, hatte Lenoire dort aufgestellt, und Duban war von seiner Schönheit so beeindruckt, dass er ihn zum Kernstück seiner Raumkomposition machte. Das war für ihn die Gelegenheit, Spuren der Geschichte in seine Konzeption aufzunehmen. Auch das von Philibert Delorme erbaute Château d’Anet, ein Meisterwerk der französischen Renaissance, war während der Französischen Revolution zerstört worden. Duban nahm auch das Hauptportal in seine Konstruktion auf, indem er architektonische Bruchstücke in die Bögen einließ, die dadurch eine Art Freiluftmuseum darstellen. Mit der chronologischen Anordnung von Bruchstücken knüpfte Duban an eine Idee von Alexandre Lenoire an. Die Mauern werden zum pädagogischen Anschaungsmaterial zur Geschichte der Architektur, die über Antike und italienische Renaissance hinausreicht und zugleich die Kontinuität der Entwicklung veranschaulicht.
Duban starb 1870, erbittert darüber, nur Restaurationen, so angesehen sie auch sein mochten, geleistet zu haben. Aber Duban hat mit seiner Konzeption den sogenannten “beaux-arts-Stil” geprägt, der erheblichen Einfluss auf Generationen von Architekten in Europa, Afrika und sogar Amerika ausübte.
Das unvollendet gebliebene, damals moderne Werk Dubans ist heute nicht mehr erkennbar, da dem Betrachter des 21. Jahrhunderts die Bezugspunkte fehlen. Wie die Ruinen des Antiken Rom hat auch Dubans Schule das Schicksal der Zeit ereilt.

Baukunst 3
Daniel Libeskind: Das Jüdische Museum in Berlin
Eine außergewöhnliche, gebrochene Linie, die sich über die ganze bebaute Fläche erstreckt. Dies versinnbildlicht für den Architekten die Gewalt und die tiefen Brüche in der Geschichte der Juden in Deutschland. Das Jüdische Museum Berlin – von den Berlinern „Blitz“ genannt – ist das wohl erstaunlichste Gebäude des neuen Berlin. Ein jüdisches Museum in Berlin. Wer denkt da nicht spontan an Adornos Verdikt über die Unmöglichkeit, nach Auschwitz noch Gedichte zu schreiben?
Der Bau des Architekten Daniel Libeskind, der zwischen 1993 und 1998 in Berlin errichtet wurde, warf zunächst eine Frage auf, mit der sich die Architektur üblicherweise nicht auseinanderzusetzen hat – und zwar die nach den eigenen Grenzen. Wie kann man dort bauen, wo alles zerstört wurde? Wie kann sich Architektur mit Geschichte auseinandersetzen – und vor allem mit diesem Teil der Geschichte?
Daniel Libeskind fand mit seinem Erstlingswerk eine sowohl direkte als auch indirekte, versteckte Antwort. Die direkte Antwort liegt in der äußeren Form des Gebäudes: eine expressionistische “Geste”; ein Zickzack; eine außergewöhnliche, gebrochene Linie; ein Bruch, der sich über die ganze bebaute Fläche erstreckt. Dies versinnbildlicht für den Architekten die Gewalt und die tiefen Brüche in der Geschichte der Juden in Deutschland.
Versteckt hinter diesem Bravourstück expressionistischer Formgestaltung liegt ein anderes Gebäude, ein Geisterhaus, das sich dem Besucher sperrt, das sich nie ganz erschließen lässt. Der Architekt thematisiert hier Ungleichgewichte und den physischen Verlust von Bezugspunkten, der so weit gehen kann, dass er Unbehagen auslöst.
Der Besuch des jüdischen Museums Berlin ist kein netter Spaziergang durch ein x-beliebiges Museum, sondern wird zu einer Belastungsprobe, deren einzelne Stationen Bezeichnungen wie „Holocaust-Turm“, „Gärten des Exils“ oder „Leerräume“ tragen.
Bei den „Leerräumen“ handelt es sich um von außen nicht sichtbare Betontürme, die den gesamten Bau auf den oberen Ausstellungsgeschossen durchziehen. Die insgesamt sechs Türme unterschiedlicher Form sind völlig leer und unzugänglich. Im Innern des Museums untergebracht, bilden sie einen deutlichen Kontrast zu der reich bestückten Sammlung zur Veranschaulichung der langen Geschichte jüdischer Präsenz in Deutschland.
Die „Leerräume“ sollen für das letzte Merkmal des deutschen Judentums stehen: Abwesenheit. Zudem verkörpern sie eine Absage an jegliche Form der Nostalgie oder des Kommentars. Noch nie ist es gelungen, einen Bau zu konzipieren, der dem Widerspruch zwischen dem, was unbedingt gesagt werden muss und dem, was nie gesagt werden kann, in so vollkommener Weise Ausdruck verleiht. Die Entstehungsgeschichte des Jüdischen Museums Berlin – von den Berlinern „Blitz“ genannt – war sehr bewegt. Es galt zahlreiche institutionelle Hürden zu überwinden. Heute ist es das meistbesuchte Gebäude der Stadt.

Charles Garnier: Die Pariser Opéra Garnier
Der größte und wohl anspruchsvollste Bau im Paris des 19. Jahrhunderts. Die Vollendung des „beaux-arts“-Stils durch einen Architekten, der vernarrt war in die Welt des Theaters und so zum entschiedenen Vertreter einer spektakulären und theatralen Architektur wurde.
Nach 15jähriger Bauzeit wurde am 5. Januar 1875 die Opéra Garnier, nach ihrem Erbauer Charles Garnier benannt, eingeweiht. Als Garnier seinen Entwurf beim Architektenwettbewerb einreichte, war er noch ein junger, fast unbekannter Architekt. Den Wettbewerb hatte Napoleon III im Jahr 1860 im Rahmen der architektonischen Umgestaltung der Stadt Paris durch Baron Haussmann ausgeschrieben. Von den 171 anonym vorgelegten Entwürfen wurde am 29. Dezember 1860 der von Charles Garnier ausgewählt. Während der Bauzeit war das Projekt den Wechselfällen der französischen Politik ausgesetzt, so dem Fall der Reichsregierung und dem deutschfranzösischen Krieg von 1870. Die Geschichte der Pariser Oper reicht bis zur Gründung der ‘Académie Royale de Musique’ durch Ludwig XIV ins Jahr 1669 zurück. Das Opernhaus ist kugelartig konzipiert, schirmt den Besucher von der Außenwelt ab und gestattet ihm, in die Traumsphäre der Oper einzutauchen. Der Eingangsbereich stellt den Übergang von der realen in die Traumwelt dar und bildet das architektonische Pendant zur Opernouvertüre. Das Bauwerk verbindet Klassizismus und Rationalismus im Sinne einer funktional ausgerichteten Architektur. Diese Begegnung von Tradition und Moderne zeigt sich auch in der Auswahl der Baustoffe: Der Zuschauerraum besteht aus einer riesigen Konstruktion aus verkleidetem Stahl und bildet somit den ersten Opernbau mit einer stählernen Innenstruktur. Der Zuschauerraum selbst ist nur sparsam ausgeschmückt, damit das Publikum nicht vom Geschehen auf der Bühne abgelenkt wird. Im Jahr 1964 gestaltet Marc Chagall das Deckengemälde, das verschiedene Allegorien zeigt und beim Betrachter Szenen aus dem Opern- und Ballettrepertoire evoziert. Ein Band über die Geschichte der Oper erschien im Jahr 2000 in dem französischen Verlag ‘Editions du patrimoine’ unter dem Titel ’L’Opéra de Charles Garnier: Architecture et décor extérieur’ herausgegeben von Gérard Fontaine. Von dem selben Autor sind die Bände ‘Décor d’opéra: un rêve éveillé’ (Editions Plume, 1996) und ‘Palais Garnier: fantasme de l’Opéra’ (Editions Noésis,1999) erschienen.

Le Corbusier: Das Kloster La Tourette
Ein Kloster für den Dominikanerorden in Eveux bei Lyon, ein Ort für Studium und Gebet, erbaut von Le Corbusier, demm Mann, dessen einzige Religion die Architektur ist.
Das Kloster von La Tourette wurde zwischen 1953 und 1960 von Le Corbusier für den Dominikanerorden in Eveux bei Lyon erbaut.
Als sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs immer mehr Menschen zu einem Leben im Kloster berufen fühlten, beauftragte der Dominikanerorden in Lyon den Architekten Le Corbusier mit dem Bau einer Klosterschule. 80 Klosterschüler sollten sich dort in Abgeschiedenheit dem Studium und dem Gebet hingeben. Le Corbusier befand sich zu dieser Zeit auf dem Höhepunkt seines Ruhmes. Er hatte sich mit Wohnhäusern wie der Villa Savoye und den Wohnanlagen in Marseille und Nantes einen Namen gemacht. Das Kloster war jedoch kaum eingeweiht, als gleich zwei Krisen ausbrachen: Die Krise der katholischen Kirche und die Studentenunruhen. 1970 gab es in La Tourette keinen einzigen Studenten mehr. Einige wenige Dominikaner harrten im Kloster aus, weil ihrer Auffassung nach die Architektur des Ortes für die geistigen Ziele des Ordens steht. Das Gebäude blieb im Eigentum des Dominikanerordens, wird heute aber als Tagungszentrum genutzt.
Das von 1953 bis 1960 erbaute Dominikanerkloster ‘Sainte Marie de la Tourette’ liegt in Eveuxsur-Arbresle in der Nähe von Lyon. Le Corbusier wurde 1952 durch einen Dominikanerpater beauftragt, ein Haus der Stille und eine Kirche für den Orden zu bauen. Le Corbusier wählte als Grundform ein burgartiges Viereck, das er mitten in die bis dahin unberührte Landschaft setzte. Drei Flügel in U-Form gehören zu dem Kloster und der vierte Flügel ist der Kirche vorbehalten. Sie ist in der strengen Form eines Kastenblocks errichtet und nur am Glockenturm erkennbar. Durch plastische Lichtkanonen, die außergewöhnliche Lichtreflexe im Inneren der Kirche hervorrufen, wird ihre Kargheit unterbrochen. Da Le Corbusier Gefallen an der schlichten Form fand, faszinierte ihn auch die Kargheit des mönchischen Lebens. Er besuchte das Kartäuserkloster Ema und ließ sich von dessen kollektiver Form des Zusammenlebens für die Gestaltung der Wohneinheiten von La Tourette inspirieren. Die architektonische Beherrschung von Licht und Raum bringt Le Corbusier in diesem Gebäude zu vollendetem Ausdruck. Gleichzeitig wird es den materiellen und spirituellen Anforderungen gerecht, die man an ein religiöses Bauwerk im Sinne der klösterlichen Tradition stellt. Es gleicht einer Art lebendem Organismus, dessen einzelne Teile eng miteinander verwoben sind.
Der Architekt und Maler, Le Corbusier, mit bürgerlichem Namen Charles Jeanneret, wurde am 6. Oktober 1887 in La Chaux-de-Fonds in der Schweiz geboren. Nach einer Ausbildung als Graveur war er zunächst Maler und Goldschmied an der Ecole d’Art in seinem Geburtsort tätig. Ab 1904 wird er an derselben Hochschule zum Architekten ausgebildet. Im Jahr 1917 zog er nach Paris. Dort gründete er im Jahr 1919 die Zeitschrift ’L’Esprit Nouveau’, in der er seine Konzeption einer modernen Architektur darlegte und in der er zum ersten Mal Texte mit dem Pseudonym Le Corbusier kennzeichnete. In seinem ‘Manifest des Purismus’ definiert er das wahre Kunstwerk, als eines das durch den Umgang mit elementaren, geometrischen Formen bestimmt wird. 1922 publiziert er sein städtebauliches Konzept einer ‘strahlenden Stadt’ (Ville Radieuse). Auch hier bilden geometrische Formen die Basis der Städteplanung. Das Konzept beinhaltet ansonsten die strenge Trennung von Auto- und Fußgängerverkehr sowie die Bebauung der Stadt in Form von Großwohneinheiten, in die Versorgungs- und Dienstleistungseinrichtungen wie beispielsweise Geschäfte integriert werden. 1923 veröffentlicht er seine Schriften unter dem Titel ‘Vers un Architecture’ und nimmt an einer Ausstellung des Bauhauses in Weimar teil. 1927 beteiligt er sich mit Entwürfen am Bau der Stuttgarter Weißenhofsiedlung. Ab 1929 ist er weltweit als Städteplaner tätig. Er errichtet so berühmte Bauten wie das Nachtasyl der Heilsarmee in Paris oder das Schweizer Haus (Fondation Suisse) in der ‘Cité Universitaire de Paris’. Zunehmend skulpturale Formen weisen seine Bauten nach dem Zweiten Weltkrieg auf wie beispielsweise die ‘Unité d’habitation’ in Marseille. Zwischen 1950 und 1954 errichtete er die Wallfahrtskirche in Notre-Damedu-Haut in Ronchamps, ein nach plastischen Vorstellungen gestalteter Bau. In den 60er Jahren wird sein Entwurf für das ‘Carpenter Center for Visual Arts’ für die ‘Harvard University’ realisiert. Am 27. August 1965 stirbt Le Corbusier nahe Cap Martin bei Nizza.

Antoni Gaudì: Die Casa Mila
Das ehemalige Wohnhaus ist eines der originellsten Bauwerke Gaudís: ein monumentales Gebäude, eine plastische Masse; im Volksmund auch „ la Pedrera“ („der Steinbruch“) genannt, von Gaudí für die Familie Milà erbaut.
Die „Casa Míla“ in Barcelona – im Volksmund auch „ la Pedrera“ (deutsch „der Steinbruch“) genannt – wurde zwischen 1906 und 1912 von Antonio Gaudí gebaut.
Das ehemalige Wohnhaus ist eines der originellsten Bauwerke Gaudís: ein monumentales Gebäude, eine plastische Masse, die wie eine der Heiligen Jungfrau gewidmete Riesenskulptur anmutet.
Gaudí erforschte und gestaltete den Raum neu und ließ seiner Vorliebe für Details und dekorative Elemente freien Lauf.

Sullivan & Adler: Auditorium Building, Chicago
Luis Sullivan – der Vater der amerikanischen Architektur – verwirklichte mit dem Auditorium Building in Chicago sein erstes großes Projekt. Er baute es in Zusammenarbeit mit dem Ingenieur Dankmar Adler. Für einige Monate war es das höchste Gebäude Chicagos. In dem Gebäudekomplex befinden sich ein Luxushotel, Büroräume und der größte Opernsaal der Welt.
1871 wütete in Chicago das „Große Feuer“, das die gesamte Innenstadt zerstörte. Nach der Brandkatastrophe galt es, die Stadt wiederaufzubauen. Eine Generation junger amerikanischer Architekten nahm ihre Chance wahr, um mit dem alten Kontinent zu brechen und in Chicago neue Formen einer spezifisch amerikanischen Baukunst zu entwickeln.
Der Architekt Louis Henry Sullivan ist die herausragendste Figur dieser ‚Schule von Chicago’. Von ihm stammt die in der Geschichte der modernen Architektur am meisten zitierte Formel „form follows function“ (deutsch „die Form passt sich der Funktion an“).
Sullivans erstes großes Projekt war das Auditorium Building in Chicago. Er baute es in Zusammenarbeit mit dem Ingenieur Dankmar Adler. In dem Gebäudekomplex befinden sich ein Luxushotel, Büroräume und ein Opernsaal.
Die Oper sollte auch einfachen Leuten zugänglich sein und nicht gewinnorientiert arbeiten; die Kosten des Opernbetriebs sollten durch das Hotel und Büromieten gedeckt werden. Mit dem Auditorium Building brach das Architektenteam damals sämtliche Rekorde: Das Bauwerk war mit seinem 17 Stockwerke hohen Turm das höchste Gebäude der Welt; der Konzertsaal war mit seinen 4.500 Sitz-plätzen der größte der Vereinigten Staaten.
Zwar wurde der in herkömmlicher Bauweise errichtete Turm schon bald von modernen Wolkenkratzern mit Stahlskelett überholt, doch der Konzertsaal ist auch nach heutigen Maßstäben noch etwas Besonderes: Mit seinen schwindelerregenden Dimensionen und seiner perfekten Akustik sowie der außergewöhnlichen Architektur und Innenausstattung verkörpert das Bauwerk einen radikalen Bruch mit der Tradition europäischer Opernhäuser. Das Auditorium Building in Chicago ist das erste Meisterwerk der Architekturgeschichte Amerikas.

Alvaro Aalto: Das Gemeindezentrum von Säynätsalo
Alvar Aalto, einer der einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts, besorgte den Bau des Gemeindezentrums von Säynätsalo – einer kleinen Gemeinde im Herzen Finnlands.
Aalto machte daraus ein Meisterwerk, ein wahres Manifest des Städtebaus, eine Hommage an den Backstein.
Ein kommunistischer Bürgermeister und der Direktor einer großen Fabrik beauftragten 1949 Alvar Aalto, einen der einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts, mit dem Bau des Gemeindezentrums von Säynätsalo.
Der Ort mit 3.000 Einwohnern erstreckt sich über drei kleine Inseln im Norden des größten Sees im Zentrum Finnlands.
Das Gebäude ist ein architektonisch ausgereiftes Meisterwerk, das die scheinbar bescheidenen Anforderungen des Auftrags bei weitem übertrifft.
Aalto machte daraus ein wahres Manifest des Städtebaus, eine Hommage an den Backstein. Architektur pur: von der Gesamtkonzeption bis zu den Türgriffen. Das Gemeindezentrum verkörpert eine Synthese zwischen Tradition und Moderne, zwischen Bescheidenheit und Monumentalismus.
BAUKUNST 4
Claude-Nicolas Ledoux: Die Saline von Arc-et-Senans
Ende des 18. Jahrhunderts – am Vorabend der Revolution – baut Claude-Nicolas Ledoux in der französischen Region Franche-Comté an einer monumentalen Fabrik für den König. Dieses Monument ist gleichzeitig eine ästhetische Revolution, eine moderne industrielle Anlage und der Kern einer idealen Stadt, die bis heute ihrer Realisierung harrt.
Die Saline in der französischen Region Franche-Comté wurde von dem Architekten Claude-Nicolas Ledoux erbaut. Heute ist dieser in der Geschichte der Architektur einzigartige Komplex aus dem 18. Jahrhundert (1775 – 1779) Teil des von der UNESCO geschützten Weltkulturerbes. Dieses Monument ist gleichzeitig eine Revolution der Ästhetik, eine völlig neue Art der Manufaktur, der Kern einer idealen Stadt und eine architektonische Utopie, die für die großen modernen Architekten von Gropius bis Le Corbusier Maßstab und Inspirationsquelle werden sollte. Ledoux gehört zu den so genannten “visionären Architekten”, die heute als Vorläufer der Moderne in der Architektur angesehen werden. Am Vorabend der Französischen Revolution fordern diese Architekten das “Recht auf Leidenschaft” oder gar auf “architektonische Ausbrüche”. Sie praktizieren eine Architektur der Maßlosigkeit, die sich über die Feinheiten des Klassizismus bewusst hinweg setzt. Eine Architektur, die mit Volumina spielt und extreme Kontraste in Szene setzt, die mit einfachen und ausdrucksstarken Bildern das Volk anspricht, eine Architektur für die breite Masse. Ledoux ist der einzige dieser “Visionäre”, dessen Pläne in vielen Bauwerken auch verwirklicht wurden. Die Saline von Arc-et-Senans ist sein bedeutendstes Werk. Diese königliche Manufaktur diente der Salzgewinnung durch Verdampfung. Sie wurde am Rand eines Waldes erbaut, wo Gesetzlose und Banditen Unterschlupf fanden.
Das nach außen hermetisch abgeriegelte Gelände mutet wie eine Festung an. Die halbkreisförmige Anordnung der elf Gebäude (Fabriken, Verwaltung, Wohngebäude der Arbeiter) symbolisiert den Lauf der Sonne und ermöglicht gleichzeitig eine perfekte Überwachung. Wie in Benthams berühmtem Panoptikum befindet sich das Haus des Fabrikdirektors im Mittelpunkt der Anlage und ist mit einem riesigen Oculus, dem nichts zu entgehen scheint, geschmückt. Zur Saline gehören aber auch eine Kapelle und ein Gefängnis. Sie ist gleichzeitig industrielles Modell und Kern einer künftigen Idealen Stadt, die Ledoux bis ins kleinste Detail plante. Er entwarf Aussehen und Funktionsweise von nicht weniger als 50 monumentalen Bauwerken, einschließlich eines “Gesetzeshauses”, eines “Freudenhauses”, einer Kirche und eines eigentümlichen, rund konzipierten Friedhofs. Die Französische Revolution setzte der Karriere von Ledoux 1789 ein jähes Ende; die ideale Stadt wurde nie gebaut. Was bleibt, ist der einzigartige Komplex der Saline mit seiner außerordentlichen Ausstrahlung: Die rationalen und strengen Regeln des Industriebaus vermischen sich mit einer neuen, auf Kontrasten und Brüchen fußenden Ästhetik, die einer überwältigenden Urkraft huldigt. Auch das Spiel von Licht und Schatten und das Zusammenwirken von Masse und Volumen waren in der europäischen Architektur noch nie auf diese Art praktiziert worden. Die Wirkung ist bewusst spektakulär, denn die Vorstellungskraft des Betrachters sollte durch Erstaunen inspiriert werden. Ledoux wollte mit seiner Saline weit mehr als eine einfache Fabrik zur Salzgewinnung schaffen. Sie sollte eine neue Epoche in der Architektur einleiten. Diese Architektur sollte zur Quelle, zu den Grundsätzen von Natur zurückkehren, ganz im Sinne des von Ledoux zutiefst bewunderten Rousseauschen Gesellschaftsvertrags. Vor allem aber sollte diese Architektur die Kraft besitzen, die Gesellschaft den Grundsätzen einer neuen Idealen Stadt folgend zu reformieren und umzugestalten. “Es gibt keinen Menschen auf dieser Welt, dem ein Architekt nicht helfen könnte.” Dieser nahezu religiöse Glaube an die politische Macht der Architektur war damals vollkommen neu und verbindet Ledoux mit den großen modernen Architekten des 20. Jahrhunderts.

Pierre Chareau: Das Glashaus
Mit seinem Hauptwerk “Maison de Verre” (1928 – 1932) – schuf der französische Architekt Pierre Chareau im siebten Pariser Arrondissement ein hochmodernes Wohnhaus aus Stahl und Glas. Eine Wohnmaschine, poetisch und verspielt, voller Überraschungen, ein ebenso rhythmisches wie unklassifizierbares Werk.
Mit seinem Hauptwerk “Maison de Verre” (1928 – 1932) – “Glashaus” – schuf der französische Architekt Pierre Chareau im siebten Pariser Arrondissement ein hochmodernes Wohnhaus mit Arztpraxis im Auftrag der Familie Dalsace. Die großflächige Verglasung war wegweisend für die Baukunst des 20. Jahrhunderts und reformierte die Prinzipien der Fassadengestaltung. Die Dokumentation erzählt auch von der außergewöhnlichen Entstehungsgeschichte des lichtdurchfluteten Hauses: Da die betagte Mieterin aus dem Stadtpalais im obersten Stock nicht ausziehen wollte, setzte der Architekt das neue Gebäude einfach unter das oberste Geschoss. Die oberste Etage des alten Hauses wurde durch eine Stahlkonstruktion abgefangen.
Die “Maison de Verre” mit ihren lichtdurchlässigen Fassaden war bereits bei ihrer Fertigstellung im Jahr 1932 ein Meisterwerk der Architektur des 20. Jahrhunderts. Eine derart großflächige Verglasung, wie sie der französische Architekt Pierre Chareau schuf, war bis dahin nicht denkbar.
Die Baumaßnahmen nahmen insgesamt vier Jahre in Anspruch und erregten Aufsehen, denn auch die Entstehungsgeschichte des Hauses war außergewöhnlich: Doktor Dalsace plante sein kleines Wohnhaus im siebten Pariser Arrondissement durch ein modernes Gebäude ersetzen zu lassen. Er beauftragte seinen Freund Pierre Chareau mit dem Projekt. Doch die Mieterin im dritten und letzten Stock, eine alte Dame, weigerte sich auszuziehen. Chareau machte aus der Not eine Tugend: Er grenzte das Obergeschoss durch eine Metallstruktur ab und entwarf darunter einen hochmodernen Bau mit Glasfassade, der 1932 fertig gestellt wurde. Bei seiner Planung musste der Architekt auch den Nutzungsbedarf der Arztfamilie berücksichtigen: Im Erdgeschoss befand sich die Arztpraxis, im ersten Stock lagen die Wohn- und Empfangsräume und im zweiten Geschoss die Schlafzimmer. Hinzu kam ein Dienstbotenflügel nach dem Vorbild der traditionellen Bürgerhäuser. Aufgrund seiner beweglichen Trennwände im Gebäudeinneren wirkt das lichtdurchflutete Haus dynamisch und ist stets wandelbar. Die Glasbausteine, die für die Fassade des Hauses Verwendung fanden, sorgten in den 30er Jahren für Diskussionen, da sie ein neues Baumaterial waren. In den 60ern wurde die “Maison de Verre” unter anderem von Architekten wie Richard Rogers oder Norman Foster als Paradebeispiel der Moderne wieder entdeckt.
Die Entstehungsgeschichte des Hauses passt zur Persönlichkeit seines Erbauers Pierre Chareau (1883 – 1950), der in der Architekturgeschichte eine Sonderstellung einnimmt. Chareau galt als leichtlebiger Dandy, der sich für die Moderne begeisterte und neben den rein architektonischen Aspekten großen Wert auf die Auswahl der Möbel und der Inneneinrichtung legte. Von seinem Schaffen ist lediglich das Glashaus erhalten, ein kompakter, fast gedrungener Bau, der zu den schönsten Beispielen moderner Architektur zählt.

Frank ’O Gehrys: Bilbao Guggenheim Museum
1997 weiht die Guggenheim Stiftung ein neues Museum ein, erbaut von Frank ’O Gehrys. Berüchtigt für sein dekonstruktive Formensprache, konzipiert er in Bilbao ein Gebäude ganz nach seinem Geschmack: Eine monumentale Skulptur, chaotisch und abstrakt, animalisch und doch ganz High-Tech.
Der Gebäudekomplex gleicht einem lebendigen Organismus, der sich jederzeit in Bewegung setzten könnte. Der ungewöhnliche Bau ruft jedoch nicht allein durch sein Äußeres aus Titan und Glas Emotionen beim Betrachter hervor, auch durch sein Inneres, das mit der städtischen Umgebung untrennbar verbunden scheint. Der Museums-Bau ist nicht nur ein ästhetisches Meisterwerk, er steht auch für den wirtschaftlichen Erfolg: Die hohen Besucherzahlen haben alle Erwartungen gesprengt.
Eine auf den ersten Blick chaotische Landschaft mit Canyons und steilen Felsen. Ein Tierkörper zeichnet sich ab. Ein lebendiger Organismus, der sich jeden Moment in Bewegung setzen könnte, der nichts erzählen will. Ein riesiges vorsintflutliches Ungeheuer, das am Flussrand auszuruhen scheint. Ein sich zur Schau stellendes und sich aufdrängendes Gebilde. Eine riesige Skulptur. Ein starker Anblick, von dem die Auftraggeber geträumt haben: Die Rede ist von Frank Gehrys Guggenheim-Museum in Bilbao. Es ist in erster Linie eine Zusammenstellung zusammengefügter einzelner Gebilde. Aber dennoch findet der Kunstliebhaber sofort den Weg durch den verständlichen Rundgang: Jeder Ausstellungsraum ist in sich abgeschlossen und wird durch eine zentrale Lichtquelle gespeist. Jeder Rundgang, jeder Gang, jeder Absatz und jede Treppe bietet einen Blick auf die Stadt. Ein Besuch bedeutet einen Wechsel zwischen Geschlossenheit und Sammlung einerseits und Ausdehnung, Öffnung und Stadtlandschaft andererseits. Er bedeutet auch einen Wechsel zwischen dem Zurückweichen der Formen und der barocken Fülle des öffentlichen Raumes in ein und demselben Museum. Darin steckt auch die Quelle für seinen Erfolg: zugleich barock und dennoch vollkommen funktionsgerecht. Eine vollständige Bewegung. Die Haut des Gebäudes spielt dabei natürlich eine entscheidende Rolle: eine durch ein Stahlgerüst von den Ausstellungsräumen abgetrennte Haut, die sich stellenweise vom Körper des Gebäudes abzulösen scheint, eine Haut aus Titan und Glas. Titan glänzt nicht wie Stahl, es altert, lässt sich auch handwerklich verformen. Die Haut ist kein geschlossenes Ganzes. Schuppen aus Titan, sorgfältig ineinander gesteckt, die nicht auf ihre Befestigung schließen lassen, bedecken das Gerüst um die Ausstellungsflächen. Sie sind wie die Schuppen eines Fischs. Das Gebäude hat etwas Animalisches und ähnelt gleichzeitig einem High-Tech-Baukasten. Die Stärke des Museums liegt zweifelsohne in seiner Verbindung zur Stadt. Es ragt über die umliegenden Gebäude hinaus, hat jedoch nichts von einem Hochhaus. Seine Ausdehnung passt zu dem Standort, dessen Mittelpunkt es bildet. Es ist nicht in einen schönen Park verbannt. Die Autobahnbrücke führt über das Gebäude, die Grundmauern reichen bis an den Fluss. Das Museum ist eingebettet in seine Umgebung, eine Flusswindung sowie die Autobahn, die darüber hinweg verläuft. Im Bauch des als Schnittstelle dienenden Gebäudes ist die Stadt immer gegenwärtig. Auf jeder Stufe, in jedem Gang und dank der zahlreichen Terrassen bedeutet ein Besuch des Museums auch einen Besuch der Stadt. Frank Gehry bezog sich beim Entwurf des Gebäudes auf das historische Vorbild des New Yorker Guggenheim Museum von Frank Lloyd Wright. Er griff die Idee des Atriums auf, um welches die Besucher herumgehen. Keine Spirale, aber eine subtile Erinnerung an den großen Meister. Es bleibt eine Frage, mit der das Guggenheim Museum Bilbao seit seiner Entstehung kämpft: Welche Werke sollen ausgestellt werden? Sie müssen in ihrer Zahl, in der benötigten Ausstellungsfläche und in den von ihnen ausgelösten Emotionen mit Gehrys Gebäude konkurrieren können. Keine leichte Aufgabe, sich mit der Fülle der Formen, Flächen und Ausblicke messen zu müssen. Die Rechnung der Auftraggeber ist aufgegangen: Erwartet wurden 500.000 Besucher pro Jahr, es kamen 850.000. Innerhalb von drei Jahren haben die Besucher so viel in Bilbao ausgegeben, wie der Bau des Museums gekostet hat. Ein wirtschaftlicher Erfolg, der ein weiteres Beispiel für die Umgestaltung der alten Städte Europas in Museen darstellt.

Jean Prouvé : Das Haus von Jean Prouvé
Jean Prouvé träumte davon, Häuser zu erschaffen, die so schön und rational sein sollten wie Flugzeuge. 1953, mitten in einer Lebenskrise, baut er sich ein eigenes Haus. Wiewohl aus der Not geboren, verkörpert es doch die innovativsten seiner Einfälle.

Toyo Ito: Die Sendaï-Mediathek
Toyo Ito baut 2001 in Japan diesen Glaswürfel. Die durchsichtige tragende Struktur, die Abwesenheit von Mauern, die Beweglichkeit der Räume schaffen eine nahezu immaterielle Architektur.

Die Abtei Sainte Foy de Conques
1050 baute man in Conques in der wilden Landschaft des Aveyron eine der ersten großen Pilgerkirchen der westlichen Welt. Es ist die Geburt der sogenannten „romanische“ Architektur: rational, gewagt und erleuchtet.
Die Kirche der von Karl dem Großen gegründeten Benediktinerabtei, Sainte Foy de Conques, ist eines der bedeutendsten französischen Bauwerke des elften Jahrhunderts.
“Die Klosterkirche Sainte-Foy in Conques, eines der besten Zeugnisse romanischer Kunst, gehört mit der Kirche Saint-Sernin in Toulouse und der Pilgerkirche von Santiago de Compostela zu den Kirchen, die eine Synthese des künstlerischen Gestaltungsdrangs darstellen, der im 11. und 12. Jh. in ganz Europa herrschte.” (Marcel Durliat)
Ihre äußerst funktionelle Architektur schmeichelt dem Geist. Von der Konzeption her sollte sie zwei Anforderungen gerecht werden : zum einen sollte sie die große Zahl der Pilger aufnehmen können, die nach Conques kamen, und zum anderen sollten sich die Mönche des Klosters, deren Zahl wahrscheinlich unaufhaltsam zugenommen hatte, siebenmal pro Tag zum Gottesdienst versammeln können. So war die Kirche Saint-Foy sowohl als Pilgerkirche als auch als Klosterkirche gedacht. Für die Einwohner des Dorfs war eine separate Pfarrkirche zu Ehren des Heiligen Thomas von Cantorbery errichtet worden, von der nur noch einige Druckfundamente übrig sind, die in die Stützmauer des Platzes “Place Chirac” miteingemauert wurden.

BAUKUNST 5

Die Alhambra in Granada
Die Alhambra ist Glanzlicht des spanischen Kulturtourismus. Von der UNESCO 1984 zum Weltkulturerbe erklärt, empfängt die maurische Festungsstadt 8.000 Besucher pro Tag.
In den Ausläufern der Sierra Nevada im südspanischen Andalusien liegt die Alhambra, die “rote Burg”. “Al-Hamra” ist nicht nur das arabische Wort für die Farbe Rot, sondern auch – wegen seines roten Bartes – der Beiname des Begründers der Nasriden-Dynastie in Granada, Mohamed Ben-Nazar. Als letzte Bastion der Araber fiel sie erst 1492 nach sieben Jahrhunderten maurischer Herrschaft in die Hände der so genannten “Katholischen Könige”.
Nach der Rückeroberung der iberischen Halbinsel durch die Katholischen Könige wollte deren Nachfahre Karl V. Granada zum Regierungssitz machen; er plante den Bau eines Königspalastes unmittelbar neben der Nasridenburg, der nie ganz fertig gestellt wurde. Dennoch wurde zur Demonstration des Machtwechsels der Palast begonnen und auch eine Kirche und ein Kloster errichtet. Der Entscheidung der spanischen Rückeroberer ist es zu verdanken, dass diese Gebäude einfach hinzugebaut wurden und die Alhambra damit, auch nach Untergang der islamischen Herrschaft, für die folgenden Generationen erhalten blieb. Zwei architektonische Baustile und zwei Kulturen vereinen sich an einem Ort. Ganz gleich von welcher Seite man sich den verschiedenen Palästen der Alhambra nähert, sie wirken unauffällig mit ihren einfachen Fassaden ohne monumentale Portale. Das gesamte Bauwerk präsentiert sich als eine perfekte Inszenierung der Macht, deren steinerne Verkörperung es damals war. Man kann in ihm lesen wie in einem offenen Buch, Hinweise auf die glorreiche Vergangenheit der Alhambra findet man überall: Astronomische Formeln, Lobpreisungen Allahs und des Sultans in Gedichtform. In der Vorahnung des unausweichlichen Endes ihrer Dynastie machten die Nasridenherrscher aus ihrem Palast einen verlorenen Garten Eden, der Dichtung und der Schönheit geweiht.

Phaeno, das Gebäude “Landschaft”
Phaeno – so heißt das von der irakisch-stämmigen Stararchitektin Zaha Hadid für Wolfsburg gschaffene Wissenschaftszentrum. Der auf einem dreieckigen Grundriss und kegelartigen Stützen gebaute Gebäudekomplex ist ihr erstes architektonisches Großprojekt. Ein Gebäude von symbolischer Bedeutung für die deutsche Autostadt, ein Experimentierfeld für Kinder und Erwachsene. Für die räumliche Gestaltung des Betonbaus ließ sich die Architektin von Nturlandschaften inspirieren. In dem offen gestalteten Ausstellungsraum lassen sich Phänomene der Wssenschaft spielerisch entdecken.
Ende der 90er Jahre gab die Stadt Wolfsburg ein neues, wahrlich phänomenales Bauwerk in Auftrag: das Wissenschaftszentrum Phaeno. Entworfen wurde es von der britischen Architektin Zaha Hadid, für die es eines der ersten Großprojekte darstellte, gewünscht von der Stadt Wolfsburg, die sich gegenüber ihrem einflussreichen Steuerzahler Volkswagen zu emanzipieren suchte. Der Bau ähnelt einem gewaltigen Betondreieck auf kegelartigen Stützen, in denen Eingänge, Restaurants oder Geschäfte untergebracht sind. Das Dreieck selbst bildet einen einzigen riesigen Raum, der genug Platz für die spielerische und pädagogische Begegnungen bietet, die Groß und Klein hier mit der Welt der Wissenschaft machen können. Der Rundgang durch das Bauwerk eröffnet neue Perspektiven und ein neues Verständnis von Raum. Für sich genommen ist das Wissenschaftszentrum ebenso ein Erlebnis wie die Experimente mit Licht und Sehen, Materie und Energie, die es beherbergt. Phaeno ist Experimentier- und Erlebnislandschaft – oder um es mit Zaha Hadid zu sagen: “Den Bauplan liefert die Landschaft.”

Das Sugimoto Haus
Diese Folge von “Baukunst” führt nach Kioto und stellt die traditionelle Bauweise eines japanischen Stadthauses vor, das völlig anders ist als die herkömmliche westliche Raumvorstellung. Das Haus der Familie Sugimoto, erbaut 1743, ist ein wichtiger Meilenstein in der japanischen Architekturgeschichte und Inspirationsquelle für Architekten aus der ganzen Welt. Fließende Formen, Beweglichkeit und Transparenz sowie die Form des Baus und seine Einbettung in die Landschaft gelten bis heute als Modell japanischer Baukunst.
Das Haus der Familie Sugimoto ist ein traditionelles Stadthaus in Kioto. Ein reicher Kimonostoffhändler ließ das Haus 1743 erbauen. 1864 brannte es völlig ab, konnte aber detailgetreu wieder aufgebaut werden. Die Architektur des Gebäudes ist vielseitig und variabel. Das zweiteilige Haus beherbergt die Salons für Empfänge und die Aufenthalts- und Schlafräume der Familie sowie ein Geschäft und Lagerräume. Zu dem Haus gehört ein Garten. Das japanische Haus ruht nicht auf dem Boden, sondern steht auf Pfählen. Das Dach ist der wichtigste Teil des Hauses. Das japanische Wort für Dach, “Ya Ne” bedeutet eigentlich “die Wurzel des Hauses”. Der Bau besteht aus einem Holzgerüst mit versetzbaren Schiebetrennwänden, die keine tragende Funktion haben. Es gibt nur wenige Mauern aus Strohlehm. Die beweglichen Trennelemente sind papierbespannt und schützen infolgedessen weder vor Kälte noch dämmen sie Geräusche. Die Raumaufteilung unterliegt unsichtbaren Codes. Eine symbolische, von Osten nach Westen verlaufende Achse trennt “Ke”, den privaten und informellen Bereich, in dem sich das tägliche Leben abspielt, von “Hare”, dem offiziellen Bereich mit den Empfangs- und Repräsentationsräumen, dem Ahnenaltar und dem Teesalon. Die Höhe bildet die zweite Achse, und vor den ins Innere führenden Stufen stellt jeder seine Schuhe ab. Hier heißt es nicht “Treten Sie ein!”, sondern: “Kommen Sie herauf!”
“Oku”, die dritte symbolische Achse, führt von der Straße in den Garten hinter dem Haus. Der Raum gewinnt an symbolischer Bedeutung, je tiefer man ins Haus eindringt. Den höchsten Wert erreicht er an dem von der Straße am weitesten entfernten Punkt, wo man zum Garten gewandt meditiert. Hier passt keine der im Westen üblichen Raumvorstellungen. Es gibt keine Symmetrie, keine Flure oder Verteilerräume. Im japanischen Haus gibt es viele, aber niemals gerade Wege.

Das Kongresszentrum in Rom
E 42 steht für Esposito 1942, für ein von Benito Mussolini in Auftrag gegebenes Bauprojekt anlässlich der Weltausstellung in Rom im Jahr 1942. Eines der wichtigsten Gebäude dieses Buprojektes war eine monumentale Kongress- und Empfangshalle, die von dem Architekten Adalberto Libera errichtet wurde. “Baukunst” wirft einen Blick auf die Geschichte der faschistischen Architektur in Italien.
Benito Mussolini, “Il Duce” – faschistischer Diktator Italiens und seit 1922 an der Macht, veranstaltete 1937 eine Ausschreibung für das Bauprojekt “E 42”: Für die Weltausstellung 1942 sollte eine neue monumentale Stadt, ein neues imperiales Rom errichtet werden. Das so genannte “Dritte Rom” sollte mit seinen überdimensionierten Bauwerken den kommenden Jahrhunderten von der Größe des faschistischen Italiens künden. Der Zuschlag für eines der wichtigsten Gebäude zur Weltausstellung, die Kongress- und Empfangshalle, ging an Adalberto Libera (1903 – 1963). Er galt unter Mussolini als Pionier der Moderne. Libera schloss sich bereits in den 20er Jahren wie viele andere europäische Architekten dem Rationalismus an, der eine neoklassizistische, an antike Vorbilder angelehnte Bauweise ablehnte, aber auf eine moderne funktionale Architektur setzte. In Italien verbündete sich die Moderne jedoch schnell mit der faschistischen Ideologie. Adalberto Libera war nicht nur ein architektonischer Neuerer, sondern zugleich ein treuer Anhänger Mussolinis. Die Moderne wich dem Monumentalstil.
Das römische Kongresszentrum übersteigt in seiner Erhabenheit das Vorstellungsvermögen des Betrachters: Es wurde eine wahre “Basilika” – wie Libera selbst schrieb – errichtet. Ein “Tempel”, in dessen riesigem Hauptsaal das römische Pantheon, das glanzvollste Gebäude der antiken Welt, Platz fand. Maßstab war hier nicht mehr der Mensch, sondern der historische Bezug: Die theatralische, größenwahnsinnige Architektur stand ganz im Dienst der Massenveranstaltungen und der Machtrepräsentation des faschistischen Regimes.

Andrea Palladio: Die Villa Barbaro in Maser
Zwischen 1549 und 1558 von Andrea Palladio für seine Auftraggeber und Mäzene Daniele und Marcantonio Barbaro geplant und gebaut. Die Villa diente als Verwaltungszentrum für die Landgüter und gleichzeitig als repräsentativer Ort für Vergnügungen und Erholung.

Kenzo Tange: Das Yoyogi National Gymnasium
Eine Dokumentation von Richard Copans
befindet sich im Yoyogi Park in Tokio und ist berühmt für seine Hängedachkonstruktion. Die Sporthalle wurde von Kenzo Tange entworfen und diente den Schwimm- und Tauchveranstaltungen bei den Olympischen Sommerspiele 1964.

Extras

Kapiteleinteilung

Inhaltsübersicht

Baukunst 1
· Walter Gropius: Das Bauhaus in Dessau
· Alvaro Siza: Die Architekturfakultät Porto
· André Godin: Das Familistère von Guise
· Jean Nouvel: Nemausus 1 – Sozialer Wohnungsbau der 80er Jahre
· Richard Rogers und Renzo Piano: Das Centre Georges Pompidou
· Otto Wagner: Postsparkasse Wien

Baukunst 2
· Frank Lloyd Wright: Das Johnson-Verwaltungsgebäude
· Die Galleria Umberto I
· Santiago Calatrava: Satolas-TGV – Der Bahnhof auf dem Land
· Peter Zumthor: Die Felsentherme von Vals
· Félix Duban: Die Pariser Kunsthochschule

Baukunst 3
· Daniel Libeskind: Das Jüdische Museum in Berlin
· Charles Garnier: Die Pariser Opéra Garnier
· Le Corbusier: Das Kloster La Tourette
· Antoni Gaudí: Die Casa Mila
· Sullivan & Adler: Auditorium Building
· Alvaro Aalto: Das Gemeindezentrum von Säynätsalo

Baukunst 4
· Claude-Nicolas Ledoux: Die Saline von Arc-et-Senans
· Pierre Chareau: Das Glashaus
· Frank O. Gehry: Bilbao Guggenheim Museum
· Jean Prouvé : Das Haus von Jean Prouvé
· Toyo Ito: Die Sendaï-Mediathek
· Die Abtei Sainte Foy de Conques

Baukunst 5
· Die Alhambra von Granada
· Das Haus Sugimoto
· Adalberto Libera: Der Kongresspalast in Rom
· Kenzo Tange: Das Yoyogi National Gymnasium
· Andrea Palladio: Die Villa Barbaro in Maser
· Zaha Hadid: Phaeno

Credits
Architekten: Walter Gropius, Peter Zumthor, Antoni Gaudí, Jean Nouvel, Santiago Calatrava, Daniel Libeskind, Frank Lloyd Wright, Alvar Aalto
Regie: Richard Copans, Stan Neumann
Weitere Ergebnisse der Personensuche: Le Corbusier

Produktion: ARTE France
Produktionsland: Frankreich
Produktionsjahr: 1995-2007
Pressestimmen

»Die ambitioniertesten architektonischen Bauwerke der Vergangenheit und Gegenwart werden mit seltenem Archivmaterial, Modellen und im Gespräch mit den größten Architekten unserer Zeit dargestellt.«
Detail.de

»Eine schöne Idee: Seit 1995 drehen Richard Copans und Stan Neumann halbstündige Filme über wegweisende Bauwerke.« Saarbrücker Zeitung

Interview mit den Machern:

Die Auswahl der Gebäude Wie wurden die Gebäude und Monumente der Kollektion ausgewählt? Es gibt mehrere Kriterien: Zu Beginn der Serie befassten wir uns erst mit der modernen Architektur und schließlich mit der Vorstellung von Modernität, d. h. es ging um das XIX.-XX. Jahrhundert. (…) Wir wollten eindeutige Gebäude, beeindruckende Gebäude, Bauwerke, die mit sehr bekannten und sehr berühmten Architekten verbunden sind, mit den großen Meistern der Architekturgeschichte. Wir haben die Idee einer Typologie der Gebäude, d. h. wir werden nur Privatvillen, Museen und Bahnhöfe nehmen … Wir wollen also für das XIX. Jahrhundert ein Einfamilienhaus, einen Bahnhof, eine Oper und ein Gebäude mit Sozialwohnungen wie das Familistère de Guise zeigen. Wir werden versuchen, im Großen und Ganzen für jedes spezielle Programm ein Gebäude auszuwählen. Das Gleiche gilt für das, was man die Periode am Anfang des XX. Jahrhunderts nennt, die zwar nicht mehr zum XIX. Jahrhundert gehört, aber auch noch keine lebenden Architekten betrifft wie Le Corbusier, Aalto, Franck Lloyd Wright. (…)
Es ist also ziemlich kompliziert, da man zum Beispiel in der zeitgenössischen Architektur sehr schnell mit dem konfrontiert wird, was heutzutage das Wesentliche des architektonischen Schaffens ausmacht. Man läuft Gefahr, beispielsweise mit vielen Museen dazustehen, die im Allgemeinen beeindruckende Merkmale sind, die sich ein Staat oder eine Stadt geben und für deren Bau sie einen berühmten Architekten engagieren … Es ist also verlockend, eine Reihe über Museen zu machen. Wir wollen das aber nicht, und das beeinflusst die Wahl der Gebäude etwas. Es ist ein wenig kompliziert. Dann gibt es noch die Geographie, die Vorstellung, nicht einfach nur Gebäude in Frankreich zu zeigen, sondern Europa zu verlassen (wir waren bereits in den Vereinigten Staaten, aber noch nicht in Japan …). Wir befinden uns eher in einer Architektur der reichen Länder, was die Frage nach der Architektur entfernter Kulturen oder kolonisierter Länder aufwirft. (…)
Im Anschluss müssen alle Partner zustimmen, d. h. das Musée d’Orsay, das Centre Georges Pompidou, die Direction de l’Architecture et du Patrimoine, ARTE, Stan Neumann, Films d’Ici und ich. Es ist also fast wie im UNO-Sicherheitsrat. Nun fehlt nur noch ein letztes Gespräch zwischen Stan Neuman und mir, und zwar über die Frage: „Können wir einen 26-minütigen Film machen?“.
Es gibt nämlich großartige Gebäude, bei denen man aber schon im Voraus weiß, dass 26 Minuten nicht reichen. Oder es gibt im Gegenteil keinen Grund, einen 26-minütigen Film zu drehen, oder man weiß nicht, wie man ihn drehen soll. Oder man stellt fest, dass man keinen Zutritt zum jeweiligen Gebäude hat. Wir wollten zum Beispiel seit sechs oder sieben Jahren das Sullivan-Auditorium in Chicago filmen, aber das war nicht möglich, da sich die Zuständigen im Streit befanden: Das Gebäude war zwischen den Eigentümern des Auditoriums und denen von der Universität aufgeteilt worden. Und so gelang es uns nicht, eine Drehgenehmigung zu erhalten. (…) In so einem Fall müssen wir entscheiden, ob es sich lohnt oder nicht bzw. ob wir diese Probleme lösen können oder nicht.

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Best. Nr.: 841
ISBN: 978-3-89848-841-9
EAN: 978-3-89848-841-9
FSK: o.A.
Vertriebsgebiet: D, A, CH

Originaltitel:
Architectures


Länge: 754
Bild: NTSC, Farbe, 16:9
Ton: Dolby 2.0
Sprache: Deutsch, Englisch, Französisch
Regionalcode: codefree

Label: absolut MEDIEN
Edition: ARTE EDITION
Reihe: Baukunst, Architektur
Rubrik: Dokument


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