Film | Der Neue Mensch

Der Neue Mensch
Aufbruch und Alltag im revolutionären Russland

Herausgeber: Rainer Rother, Alexander Schwarz

»Einfach ›Mensch‹ − das ist zu wenig. Die Geschichte fordert, dass der Neue Mensch erscheine. Der Mensch ist dafür geschaffen, vorwärts und höher zu gehen.« Maxim Gorki

Zum 100. Jubiläum der Russischen Revolution die filmischen Utopien jener Aufbruchsjahre, die dem Bürgerkrieg folgten und den Neuen Menschen schaffen wollten…

1917 machten sich die russischen Revolutionäre daran, »alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist«, wie es bei Marx heißt. Die Spiel-, Dokumentar‑ und Trickfilme aus den Jahren 1924 bis 1932 zeichnen das (Wunsch‑)Bild der jungen UdSSR: Lebensfrohe, gesunde Arbeiter und Bauern erschaffen eine bessere, humane Gesellschaft. Der Neue Mensch tritt hervor, das Überkommene und Bourgeoise – ob Bürokraten, Alkoholiker oder Obdachlose – soll verschwinden. Mit Witz und Pathos werden in Filmen wie Bett und Sofa oder Der Weg ins Leben sowie zahlreichen Entdeckungen der Alltag und die neuen Familien- und Heldenbilder präsentiert – bevor wenig später der Stalinismus die Utopie zunichtemacht.

Musik
Richard Siedhoff, geboren 1987, begleitet als Stummfilmpianist regelmäßig im Kino und auf Stummfilmfestivals Filmklassiker mit eigenen Kompositionen, konzipierten Improvisationen
sowie adaptierten Originalmusiken, lebt in Weimar.

Technische Aufbereitung
Die Erstellung der hier genutzten Master erfolgte bei wave-line, Berlin. Matthias Behrens sorgte bei den neuen Abbtastungen russicher Filmarchive für das bestmögliche Bild.

DVD 1:
Kino-Prawda Nr. 18 (Film-Prawda Nr. 18), 1924, 13:50 min.
Tretja meschtschanskaja (VT: Bett und Sofa), 1927, 91 min.
Samojedskij maltschik (Der Samojedenjunge), 1928, 10 min.
Grosny Wawila i tjotka Arina (Der schreckliche Wawila und Tante Arina), 1928, 7.30 min.
Oblomok imperii (VT: Der Mann, der das Gedächtnis verlor), 1929, 74 min.

DVD 2:
Schisn w rukach (Das Leben in der Hand), 1931, 100 min.
Putjowka w schisn (VT: Der Weg ins Leben), 1931, 108 min.
Wlastelin byta (Beherrscher des Alltags), 1932, 15 min.

Online
Turksib (VT: Turksib), 1929, 75 min.

Extras

Mit einem ausführlichen Booklet
Kommentar, Filmografie und Materialien
Herausgegeben von Alexander Schwarz und Rainer Rother

Alexander Schwarz: Der Neue Mensch
Euphorie, Alltag und Illusion im sowjetischen Film zwischen
Revolution und Stalinismus (1924 bis 1932)

Texte
Die Filme
Überblick: Weitere Filme zum Neuen Menschen

Inhaltsübersicht

DVD 1:
Kino-Prawda Nr. 18 (Film-Prawda Nr. 18), 1924, 13:50 min.
Regie: Dsiga Wertow | Kamera: Michail Kaufman, Iwan Beljakow, Boris Franzisson | Schnitt: Jelisaweta Swilowa, Dsiga Wertow | Zwischentitel von Iwan Beljakow, nach Entwürfen von Aleksandr Rodtschenko | Produktion: Goskino | Uraufführung: März 1924 | Dokumentarkurzfilm, Stummfilm | 13 Minuten bei 18 fps | Kopie: RGAKFD Krasnogorsk
Musikkomposition und -einspielung von Richard Siedhoff

Tretja meschtschanskaja (VT: Bett und Sofa), 1927, 91 min.
Regie: Abram Room | Buch: Wiktor Schklowski, Abram Room | Kamera: Grigori Giber| Darsteller: Wladimir Fogel, Nikolai Batalow, Ljudmila Semjonowa, Leonid Jurenjew, Marija Jarozkaja | Produktion:
Sowkino | Uraufführung: März 1927 | Stummfilm | 91 Minuten bei 19 fps | Kopie: Gosfilmofond (1966 aus verschiedenen Kopien rekonstruiert, daher wechselnde Zwischentitel-Typografie)
Musikkomposition und -einspielung von Richard Siedhoff

Samojedskij maltschik (Der Samojedenjunge), 1928, 10 min.
Regie, Buch: Nikolai Chodatajew, Olga Chodotajewa, Valentina und Sinaida Brumberg | Animation: Wasili Semjonow | Produktion: Sowkino (3. Fabrik) | Uraufführung: 1928 | Zeichentrick, Stummfilm |9 Minuten bei 18 fps (Fragment) | Kopie: Gosfilmofond
Musikkomposition und -einspielung von Richard Siedhoff

Grosny Wawila i tjotka Arina (Der schreckliche Wawila und Tante Arina), 1928, 7.30 min.
Regie, Buch: Nikolai Chodatajew, Olga Chodotajewa | Animation: Valentina und Sinaida Brumberg | Produktion: Meschrabpom‑Film, Zentrosojus | Uraufführung: 1928 | Zeichentrick, Stummfilm | 7 Minuten bei 20 fps | Kopie: Gosfilmofond

Oblomok imperii (VT: Der Mann, der das Gedächtnis verlor), 1929, 74 min.
Regie: Fridrich Ermler | Buch: Jekaterina Winogradskaja, Fridrich Ermler | Kamera: Jewgeni Schnejder | Darsteller: Fjodor Nikitin, Ljudmila Semjonowa, Waleri Solowzow | Produktion: Sowkino Leningrad | Uraufführung: Oktober 1929 | Stummfilm | 73 Minuten bei 24 fps | Kopie: Gosfilmofond (Fassung von 1967 zum 50. Jahrestag der Oktoberrevolution mit erstmaliger, aber leicht veränderter Einspielung der Musikkomposition von 1929, zudem mit textlicher Redaktion der Zwischentitel)

DVD 2:
Schisn w rukach (Das Leben in der Hand), 1931, 100 min.
Regie, Buch: Dawid Marjan | Kamera: Georgi Chimtschenko | Darsteller: Sofja Jakowlewa, Boris Ferdinandow, Wladimir Lisowski, Dmitri Kapka, Anja Fischer | Produktion: Ukrainfilm | Uraufführung: Juni 1931 | Stummfilm | 96 Minuten bei 18 fps | Kopie: Gosfilmofond | russische und ukrainische Zwischentitel
Musikkomposition und -einspielung von Richard Siedhoff

Putjowka w schisn (VT: Der Weg ins Leben), 1931, 108 min.
Regie: Nikolai Ekk | Buch: Aleksandr Stolper, Nikolai Ekk, Regina Januschkewitsch, Jakow Stolljar | Kamera: Wasili Pronin | Musik: Jakow Stolljar | Darsteller: Nikolai Batalow, Iywan Kyrlja, Michail
Dschagofarow, Aleksandr Nowikow, Michail Scharow, Marija Antropowa | Produktion: Meschrabpom-Film | Uraufführung: 1. Juni 1931 | Tonfilm | 108 Minuten | Kopie: Gosfilmofond

Wlastelin byta (Beherrscher des Alltags), 1932, 15 min.
Regie: Aleksandr Ptuschko | Buch: Aleksandr Ptuschko, Nikolai Renkow | Animation: Aleksandr Ptuschko, Nikolai Renkow, Sarra Mokil, Juri Lupandin | Musik: Sergej Rusow | Produktion: Sojuskino Moskau | Uraufführung: November 1932 | Ton-Puppentrickfilm | 15 Minuten | Kopie: Gosfilmofond

Credits
Herausgeber: Rainer Rother, Alexander Schwarz
Musik: Richard Siedhoff

Produktionsland: UdSSR
Produktionsjahr: 1924 - 1932
Pressestimmen

»Einfach ›Mensch‹ − das ist zu wenig. Die Geschichte fordert, dass der Neue Mensch erscheine. Der Mensch ist dafür geschaffen, vorwärts und höher zu gehen.« Maxim Gorki

“Diese Edition macht so viel Lust auf das politisch spektakuläre, formal avantgardistische frühe sowjetische Kino, dass der Verlag unbedingt über eine Fortsetzung nachdenken sollte.” Berliner Zeitung

“Seit März ist dieser Klassiker auf einer Doppel-DVD aus der Filmedition Suhrkamp erhältlich. Spiel-, Dokumentar- und Trickfilme aus der UdSSR der Jahre 1924 bis 1932 sind darauf versammelt. Schmerzhaft führen sie einem die Rückständigkeit unserer Zeiten vor Augen.” Junge Welt

“…enthält neben einem umfangreichen Booklet acht Spiel-, Dokumentar- und Trickfilme aus
den Jahren 1924 bis 1932 von fast sieben Stunden Gesamtlänge. Diese zeichnen das (Wunsch-)Bild des jungen Sowjetstaats mit lebensfrohen Arbeitern und Bauern, die eine bessere, humanere Gesellschaft erschaffen, in der das Überkommene der Bourgeoise – Bürokraten, Alkoholiker, Obdachlose – verschwindet.” Lahn Zeitung

“Die Leistung der neuen DVD Editiob liegt nun darin, aufzuzeigen, dass der neue Mensch gerade durch ein Genre geschaffen werden sollte, daß sich als “Alltagsfilm” bezeichnen ließe, aber so unterschiedliche Spielarten wie die Komödie, das Drama und den Animationsfilm miteinander zu verbinden wusste." Film Dienst

“Auch wenn das alles nach allzu durchschaubarer Pädagogik klingt – die Idee des Neuen Menschen als pure Propaganda abzutun, greift zu kurz. Denn das Ideal war verbunden mit bahnbrechenden Reformen. Kurze Zeit nach der Machtübernahme Stalins war die Blütezeit des sowjetischen Kinos vorüber. Seine Gewaltherrschaft deutet sich in einigen Momenten bereits an – immer dann, wenn die Filme ihrem Publikum die Angst vor dem Verschiedensein einimpfen wollen.” Der Spiegel

2 DVDs
lieferbar
€ 29,90


Best. Nr.: 583
ISBN: 978-3-89848-583-8
EAN: 978-3-89848-583-8

Länge: 412
Bild: PAL, S/W, 4:3
Ton: Dolby Stereo
Sprache: Originalfassung
Untertitel: deutsche Untertitel
Regionalcode: codefree

Label: filmedition suhrkamp
Reihe: fes
Rubrik: Dokument


Weitere Titel aus
unserem Programm




ANDY WARHOL - GODFATHER OF POP
Rick Burns




DIE ABENTEURER DER MODERNEN KUNST
Amélie Harrault, Pauline Gaillard, Valérie Loiseeux


absolut MEDIEN GmbH © 2014