Filmarchiv | Geheimsache Ghettofilm

Geheimsache Ghettofilm

Regie: Yael Hersonski

Die Geschichte eines Propagandafilms, der nie fertiggestellt wurde.

Im Mai 1942 wurde ein aus vier Personen bestehendes Filmteam in offiziellem Auftrag in das Warschauer Ghetto entsandt. Kurz vor der Deportation der Ghettobewohner inszenierte der Trupp Szenen wie nach einem Drehbuch. Bildern des Elends im Ghetto folgen kontrastierende Einstellungen vermeintlichen Wohlstandes − eine Theateraufführung, opulente Mahlzeiten im Restaurant, herrschaftliche Wohnungen mit gediegenem Interieur. Die Rohschnittfassung des geplanten Films, ohne Tonspur, ohne Vor- oder Nachspann, blieb erhalten − der Auftraggeber unbekannt. Die israelische Regisseurin Yael Hersonski machte sich auf die Spurensuche, traf Augenzeugen, fand Aufzeichnungen in Tagebüchern von Ghettobewohnern und das Verhörprotokoll eines Kameramanns. Ihr Film präsentiert die Originalaufnahmen fast vollständig.

Credits
Regie: Yael Hersonski

Produktionsland: Israel
Produktionsjahr: 2009
Pressestimmen

»Vielleicht besteht der angemessenste Gebrauch dieser DVD darin, den Ton abzuschalten und die Farbsequenzen zu überspringen. Was dann übrig bleibt, reicht, um Albträume zu gewährleisten. « titelmagazin.de, THOMAS ROTHSCHILD

»Die Stärke von Geheimsache Ghettofilm besteht darin, dass das Publikum, dem die Pseudo-Dokumente der Nazis sonst nur als Bildschnipselchen in Geschichtskompilationen begegnen, die Filmrollen erstmals wirklich wahrnehmen kann.« critic.de, Sonja M. Schulz

»1942 wurde im Warschauer Ghetto ein Film gedreht, der einerseits nachweisen sollte, dass die dort internierten Juden, die drei Monate später in die Vernichtungslager deportiert wurden, ein »normales« Leben führen konnten, andererseits aber Juden als vertierte Untermenschen zeigte oder auch als Privilegierte, die ihre eigenen Landsleute verachteten und ausbeuteten. Der Film wurde nie fertiggestellt oder zur Aufführung gebracht. Jetzt liegt das Material vor, und es ist nicht übertrieben, wenn man es als sensationell bezeichnet. Es dokumentiert hinter allen Inszenierungsbemühungen und Beschönigungsversuchen die tatsächlichen Zustände im Ghetto und liefert zugleich ein einzigartiges Beispiel für die Mechanismen von Propaganda.« titelmagazin.de, Thomas Rothschild

»Eine ausführliche Beschäftigung mit dem Material und einen Ansatz, die propagandistische Verformung der Aufnahmen zu dekonstruieren, verfolgte erstmals die israelische Regisseurin Yael Hersonski in dem Dokumentarfilm SHTIKAT HAARCHION (GEHEIMSACHE GHETTOFILM, Israel 2010). Durch Zeitzeugeninterviews, Auswertung der wenigen schriftlichen Dokumente und das Zusammenspiel der verschiedenen Filmmaterialien der Langfassung und der Amateurfilme, versucht Hersonski in ihrem Projekt das Fragment zu demontieren und die Konstruktion der Filmaufnahmen offen zu legen. Diese Herangehensweise bietet einen wichtigen und bislang in derartiger Form nicht vorliegenden Beitrag zum Verständnis und zur Einordnung der Filmaufnahmen.« Anja Horstmann, Filmblatt (Cinegraph Babelsberg) #44 Winter 2010/2011

»Die Rekonstruktion des Propaganda-Films ist ein einzigartiges historisches Dokument, das durch die Originalaufnahmen viele authentische Eindrücke birgt. Eindrücke, die lange bewegen.« Julia Jakob, NDR Info

(DVD der Woche in NEUE PRESSE Hannover 1. Juni 2011)

»Ein Dokumentarfilm, der für seine Geschichten erfreulich viele Formen verwendet. Die israelische Regisseurin Yael Hersonski setzt, obwohl auch Gefühle willkommen sind, auf ein denkendes Publikum.« KONKRET, Jens Hoffmann, 07/2011

»Yael Hersonskis nahezu vollständig aus Archivmaterial konstruierter Dokumentarfilm Geheimsache Ghettofilm geht nun, so kann man es sehen, Lanzmanns Prämisse vom «Nichtvorhandensein« dieser Bilder auf den Grund. … Die besondere Leistung des Dokumentarfilms besteht jedoch in der Aufbereitung zweier Filmrollen, die erst 1998 gefunden wurden und die die Outtakes des Propagandafilms enthalten. Der neue Kontext kehrt in Folge den ideologischen Impetus des Films hervor. … Bilder können nur die Hölle zeigen, heißt es bei Susan Sontag, nicht aber den Weg hinaus. Dazu bedarf es nämlich eines Kontextes – oder eines Dokumentarfilms wie Geheimsache Ghettofilm.« SCHNITT Online, Andreas Strasser, 2011

»ein erschreckendes Zeugnis, wie perfide das System und seine Propaganda-Abteilung arbeiteten.« G GESCHICHTE, Janina Lingenberg, Oktober 2011

»Yael Hersonskis Film Geheimsache Ghettofilm ist mit Preisen renommierter internationaler Filmfestivals geradezu überhäuft worden: mit dem „World Cinema Documentary Editing Award“ des Sundance Film Festival, dem „Writers Guild of America Documentary Screenplay Award“ des Silverdocs Documentary Festival und dem „Best International Feature Award“ des HotDocs Canadian International Documentary Festival. … Die Filmkritik reagierte einhellig. Hersonskis Film ist eine der meist gepriesenen Dokumentationen zur Geschichte des Holocaust der letzten Zeit.« zeitgeschichte-online.de
»Durch Zeitzeugeninterviews, Auswertung der wenigen schriftlichen Dokumente und das Zusammenspiel der verschiedenen Filmmaterialien der Langfassung und der Amateurfilme, versucht Hersonski in ihrem Projekt das Fragment zu demontieren und die Konstruktion der Filmaufnahmen offen zu legen. Diese Herangehensweise bietet einen wichtigen und bislang in derartiger Form nicht vorliegenden Beitrag zum Verständnis und zur Einordnung der Filmaufnahmen.« Anja Horstmann, Filmblatt (Cinegraph Babelsberg) »Yael Hersonski macht das spezifisch Filmische der Hetze zum Ausgangspunkt.« Die Welt

DVD
nicht mehr lieferbar

Best. Nr.: 544
ISBN: 978-3-89848-544-9
EAN: 978-3-89848-544-9
FSK: Infoprogramm
Vertriebsgebiet: D, A, CH

Originaltitel:
Shtikat Haarchion, engl.: A Film Unfinished


Länge: 89
Bild: PAL, Farbe + s/w, 16:9
Ton: Stereo
Sprache: Deutsch, Englisch
Regionalcode: codefree

Label: absolut MEDIEN
Edition: ARTE EDITION
Rubrik: Dokument


Weitere Titel aus
unserem Programm




Ortelsburg - Szcytno
Peter Goedel




China's Tibet?
Lottie Marsau, Katharina Rosa


absolut MEDIEN GmbH © 2014